Mittwoch, 23.05.2012
Maiszünsler im Visier
Der Maiszünsler rückt immer weiter Richtung Norden vor. Ein eigenes Vorhersagemodell hilft dabei, die Bestandskontrollen und vor allem die Bekämpfungstermine zu optimieren.
Eiablage und Larvenschlupf des Zünslers sind in Mais entscheidend für optimierte Bestandskontrollen. Nur so lassen sich Behandlungen richtig terminieren. Das gilt für die biologische Bekämpfung mit Trichogramma-Schlupfwespen ebenso wie für chemische Einsätze. Für beide Verfahren ist die Vorhersage der Zünslerentwicklung unabdingbar. In der aktuellen Version stimmt das Vorhersagemodell gut mit den Freilandbeobachtungen überein. Besonders die Einsatztermine für das Insektizid Steward lassen sich damit optimieren. Der Bekämpfungstermin ist oft nicht optimal, verbesserte Prognose ist nötig. Schließlich hängt der Erstzuflug nicht allein vom Temperaturverlauf ab. Besonders wichtig sind auch Niederschläge.
Tendenziell erhöht sich die Temperatursumme, wenn die Regenmenge zunimmt. 2010 setzte der Zünslerzuflug bis zu zwei Wochen später ein als 2007, 2008 und 2009. Auch der Flughöhepunkt war später. Das lässt sich mit dem kühlen und nassen Mai 2010 erklären. 2011 wird die Genauigkeit des Prognosemodells noch einmal überprüft. Eine marktreife Version ist für 2012 geplant. Sie soll ins bestehende Desktop-System proPlant expert.classic integriert werden. So können Betriebsleiter oder Berater neben den Lösungen für Getreide, Raps, Rüben und Kartoffeln auch die Informationen zum Maiszünsler in einem System nutzen. kb
dlz-Kommentar: Auch die Nachbarn überzeugen
Der Zünsler hat sich mit den Jahren immer weiter Richtung Norden verbreitet. Bei mehr Mais auch für Biogas drohen neue Krankheiten und Schädlinge, die in Schach zu halten sind. Lässt es sich da noch vermeiden, neben Herbiziden auch Insektizide oder künftig womöglich Fungizide in Mais einzusetzen? Wird die Vorhersage für den Zünslerzuflug 2012 wirklich marktreif, bietet das Prognosemodell echte Hilfe. Das gilt vor allem, um den optimalen Termin für den Insektizideinsatz zu finden. Dazu stehen drei Wirkstoffklassen bereit (Steward, Coragen, Gladiator). Neben chemischer lohnt auch die biologische Bekämpfung (mit Trichogramma-Schlupfwespen oder dem Bakterienmittel Dipel ES). Viel näher liegt aber zunächst ein mechanisches Vorgehen: tief abschlegeln, zusätzlich häckseln, Maisstoppeln gut zerkleinern und sauber einarbeiten. Die Falter fliegen aus den Stängeln, in denen sie sich verpuppen, ins Nachbarfeld. Darum sind alle Feldnachbarn von dem Vorgehen zu überzeugen. Schon dabei hilft der Blick auf das bundesweite Warnsystem.
Karl Bockholt, Redakteur dlz agrarmagazin
dlz-Literatur-Liste zum Thema
- Albert, R.; Maier, G. & Dannemann, K. (2008): Maiszünslerbekämpfung Bekämpfung und neue Entwicklungen beim Trichogramma brassicae-Einsatz. Gesunde Pflanzen 60: 41-54.
- Bazok, R., Igrc Barèiæ, J., Kos, T., Gotlin Èuljak, T., Siloviæ, M., Jelovèan, S. & Kozina, A. (2009): Monitoring and efficacy of selected insecticides for European corn borer (Ostrinia nubilalis Hubn., Lepidoptera: Crambidae) control. J. Pest Sci. 82: 311-319.
- Blandino, M.; Peila, A, & Reyneri, A. (2010): Timing clorpirifos + cypermethrin and indoxacarb applications to control European corn borer damage and fumonisin contamination in maize kernels. J. Sci. Food Agric. 90: 521-529
- Felke, M., Feiertag, S. & Johnen, A. (2009): Vorhersage kontra Zünsler. dlz Agrarmagazin 60 (4): 34-37.
- Zimmermann, O. (2004): Der Einsatz von Trichogramma-Schlupfwespen in Deutschland. Gesunde Pflanzen 56: 157-166.
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin April 2011 erschienen.
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