Mittwoch, 23.05.2012
Wellness für die Hauptkultur
Nur über gesunde Pflanzenwurzeln lässt sich das Ertragspotenzial eines Standorts voll nutzen. Kräftige Wurzeln beseitigen Verdichtungen und verbessern die Bodenfruchtbarkeit. Wie Sie die Struktur Ihrer Flächen über Zwischenfrüchte verbessern, zeigt unser Blick in den Boden.
Die Spatenprobe bringt es ans Licht: Zwischenfrüchte verbessern die Bodenfruchtbarkeit ganz entscheidend und beugen Verdichtungen vor.
Die EU hat in ihrer Bodenschutzstrategie Schadverdichtungen als zentrales Problem der Bodenfruchtbarkeit ausgemacht. Untersuchungen im Rheinland zeigten Krumenbasisverdichtung auf 40 Prozent der Äcker. In Österreich wird die Hälfte der landwirtschaftlichen Nutzflächen als mittel bis hoch verdichtungsgefährdet eingestuft. Leidtragend ist der Ackerbau, der durch den geschädigten Wasser-, Luft- und Nährstoffhaushalt mit Ertragseinbußen von 10 bis 50 Prozent rechnen muss. Wurzeln sind das wichtigste Kettenglied im Wirkgefüge Boden-Pflanze. Ihre Schädigung in verdichteten Böden ist Grund für Wachstums- und Ertragsdepressionen. Wurzeln können aber auch als natürliches Werkzeug zur Lockerung beitragen.
Bodenaufbau durch Wurzeln
Der natürliche Boden ist nicht starr. Die Anordnung seiner Partikel zur porösen Struktur wird durch abiotische Faktoren geformt, etwa Feuchte-Trocken- oder Frost-Tau-Zyklen, sowie durch biotische Faktoren, etwa Bodenleben oder Pflanzenwurzeln. In unmittelbarer Nähe der Wurzeln, in der Rhizosphäre, ist der Boden besonders aktiv, gut strukturiert und haftet eng an den Wurzeln. Schleimstoffe, die an den Wurzelspitzen abgegeben werden, verkleben Bodenpartikel zu Mikroaggregaten. Pflanzenwurzeln und Pilzhyphen stabilisieren das wichtige Krümelgefüge als Makroaggregate im Oberboden durch ein engmaschiges Netz gegen Zerfall und Verschlämmung.
Zwischenfrüchte lohnen
Versuche zeigen, dass Zwischenfrüchte die Wasserinfiltration verbessern, indem sie Bodenporen biologisch stabilisieren. Der klassische Verdichtungsbrecher unter den Begrünungen ist Ölrettich mit üppigen Pfahlwurzeln. Auf gesunden Böden bringen Leguminosenmischungen, etwa mit Ackerbohne, Sommerwicke, Saatplatterbse und Alexandrinerklee, eine optimale Strukturwirkung. Weist der Standort Symptome einer Strukturdegradation mit negativer Ertragswirkung auf, ist neben dem Bodenbearbeitungs- auch das Fruchtfolgesystem anzupassen. Versuche mit mehrjähriger Luzerne zeigen einen optimalen Aufbau von Bioporen. Die werden von nachfolgenden Kulturen genutzt, um tiefere Bodenschichten zu erwachsen. Dagegen sind die Bioporenbildung und die verbesserte Durchwurzelung eines dichten Bt-Horizonts nach Raps und einjährigen Leguminosen nur gering. Auf Böden mit vorhandenen Strukturproblemen reicht also eine kurzfristige Lösung nicht aus. Nötig ist ein vorübergehendes Anpassen der Fruchtfolge mit mehrjährigen, tiefwurzelnden Früchten und nachfolgend regelmäßigem Stabilisieren des Gefüges durch intensiven Zwischenfruchtbau. Ist ein Standort durch Verdichtung so weit geschädigt, dass die Ertragssicherheit nicht mehr gegeben ist, ist notfalls ein recht drastischer "chirurgischer" Eingriff nötig. Mechanische Unterbodenlockerung ist nur mit nachfolgender biologischer Strukturstabilisierung durch mehrjährige Kulturen, wie Luzerne, sinnvoll. kb
Der vollständige Beitrag ist in der dlz Juli 2011 erschienen.
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