Mittwoch, 23.05.2012
Weizen-Junior-Cup 2010: Hauchdünner Sieg für Ahlem
Das
Wetter hat für ein höchst spannendes Finale im dlz-Anbauvergleich gesorgt. Bis zuletzt waren die Erträge der beiden Teams gleich auf. Den höheren Deckungsbeitrag konnte dann doch Ahlem einfahren – mit minimalem Vorsprung.
Erst kurz vor Redaktionsschluss Mitte September stand der Gewinner des diesjährigen Weizen-Junior-Cups fest: Das Team der Justus von Liebig-Schule in Hannover-Ahlem. Zünglein an der Waage waren die besseren Qualitäten der Niedersachsen.
Der dlz-Anbauvergleich war in diesem Jahr spannend wie nie: Das späte Frühjahr bot eine echte Herausforderung für die richtige Düngestrategie; ebenso konnten manche Herbizid- und Fungizidanwendungen nicht wie geplant laufen. „Schema F“ passte 2010 nicht, damit war der Parzellenversuch nahe an der Realität.
Die Wasserversorgung tat ihr übriges, um die Sorten der Saaten-Union und damit auch die Schüler unter Stress zu setzen. Trockenheit im April, wenig Regen im Mai und ab Juni Hitze mit wenigen Tropfen Niederschlag. Damit konnten viele Nährstoffe die Pflanzen nicht mehr rechtzeitig erreichen. Das spiegelt sich in allen Sorten und über alle Strategien wider: Die Erträge blieben mit maximal 70 dt/ha weit hinter den Erwartungen zurück und lagen deutlich unter dem üblichen Schnitt in Bockerode von nahe 100 dt/ha. Auch die Proteingehalte erreichten überwiegend nur Qualitäten an der Grenze zwischen Futter- und Backweizen.
Ohne Wasser ging nichts
Wasser war in der Saison 2010 der begrenzende Faktor, das hat DLG-Versuchstechniker Andreas Steul bei allen Anbauversuchen auf dem Rittergut festgestellt. Davon konnten manche aber profitieren: „Dünnere Bestände sind besser weggekommen.“ So lässt sich erklären, warum die Junioren vom Berufsschulzentrum in Wurzen mit beiden Sorten gute Erträge erreichen konnten – obwohl sie zu Vegetationsbeginn und auch zum Schossen deutlich weniger Stickstoff gedüngt haben als die Konkurrenten aus Ahlem. Damit machte sich der pädagogische Ansatz von Lehrer Torsten Günzel bezahlt, der konsequent nach Nmin und Entzug düngen wollte. Das sparte Geld und Stickstoff, der beim Team aus Ahlem durch die Trockenheit nicht wirksam werden konnte.
Bei vergleichbaren Erträgen beider Teams ging die verhaltenere N-Düngung in Sachsen aber auf Kosten der Qualität. Die Niedersachsen erreichten im Schnitt 12,5 Prozent Proteingehalt, Wurzen nur rund 11 Prozent. Dieser Unterschied brachte den finanziellen Vorteil für Hannover-Ahlem. Deren A-Sorte Tommi und der B-Weizen Mulan wurden von der Agravis mit 19 bzw. 18,50 Euro/dt bewertet. Bei den Junglandwirten aus Sachsen reichten die Eiweißgehalte von Tommi und dem B-Weizen Kredo am Markt nurmehr für Futterqualitäten, für die jeweils 18 Euro/dt geboten wurden. Die Grunddüngung, auf die Ahlem verzichtet hatte, brachte Wurzen keinen geldwerten Vorteil, wohl aber hohe Düngungskosten.
Die Qualität hat‘s gebracht
Unter dem Strich brachte das den Sieg für Ahlem. Da half den sächsischen Schülern auch der höhere Ertrag von Tommi und ein insgesamt niedrigerer Pflanzenschutzmittelaufwand nichts.
Gelernt haben alle Junglandwirte viel bei dem dlz-Kräftemessen – und sei es, dass die Natur nur bedingt zu beherrschen ist. Ahlem darf sich jetzt auf eine tolle Klassenreise zur Saaten-Union nach Leopoldshöhe und zu
Claas Agrosystems nach Harsewinkel freuen. Für beide Teams gibt es zudem Software-Gutscheine im Wert von insgesamt 6.000 Euro.
Die feierliche Preisübergabe vom Weizen- und auch vom Börsen-Junior-Cup 2010 fand auf der EuroTier in Hannover statt. Die Gewinner erhielten ihre Urkunden aus den Händen der Veranstalter dlz,
Claas Agrosystems und Saaten-Union.Danach blieb noch ausreichend Zeit, um bei einem Glas Sekt auf die erfolgreichen Strategien anzustoßen – bevor es abends zur legendären Young Farmer‘s Party ging.
Klaus Strotmann/dlz agrarmagazin
Klaus Strotmann/dlz agrarmagazin
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