Ute Volquardsen ist Landwirtin, Hauswirtschaftsleiterin, bus-Trainerin bei der Andreas-Hermes-Akademie, ehrenamtlich engagierte Unternehmerin und Familienmanagerin in einem.
dlz: Seit über 25 Jahren sind Sie Landwirtin. Mit ihrem Geschäftspartner Gerhard Volquardsen betreiben Sie die Volquardsen GbR mit Ackerbau, Schweinemast, Legehennen und regenerative Energien. Wie sind ihre Erfahrungen in ihrem landwirtschaftlichen Unternehmen?
Volquardsen: Wir sind über die Jahre zusammen gewachsen, haben Entscheidungen gemeinsam getroffen und haben so den Betrieb im Team entwickelt. Die langjährigen Erfahrungen, die jeweiligen Höhen und Tiefen, die wir gemacht haben, haben wir als Chance genutzt, haben daraus gelernt, uns weiter entwickelt. Da passt sehr schön ein altes chinesisches Sprichwort, das ist auch mein Lebensmotto: "Wenn der Wind der Veränderungen weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windmühlen."
dlz: Wie sehen Sie Ihre Rolle als landwirtschaftliche Unternehmerin?
Volquardsen: Als Frau muss ich fachlich einfach fit sein. Ich muss erfolgreich in meinem Produktionszweig sein, mich mit Betriebswirtschaft und Marketingstrategien auskennen und offen gegenüber neuen Betriebszweigen sein. Aber ganz wichtig sind die sozialen Kompetenzen, die jeweiligen persönlichen Veranlagungen, die ein jeder hat. Als Landwirtin sehe ich mich bodenständig, authentisch und verlässlich.
dlz: Und wie sehen Sie Ihre Rolle als Frau auf dem Hof?
Volquardsen: Als Frau habe ich eine Schlüsselfunktion, wenn es darum geht Entscheidungen der Betriebs-und Haushaltsführung sowie familiäre Angelegenheiten zu managen. Ich finde es wichtig, Beschlüsse gemeinsam mit der Familie, Mitarbeitern oder Geschäftspartnern zu treffen.
dlz: Sie sind auf Gemeinde-, Kreis,- Landes- und Bundesebene in verschiedenen berufsständischen Organisationen tätig. Was bewegt Sie zu diesem ehrenamtlichen Engagement?
Volquardsen: Ein Ehrenamt bereichert und bringt einen sowohl privat als auch betrieblich einfach weiter. Es erweitert den eigenen Horizont. Es ist ganz wichtig, auch über den eigenen Tellerrand zu schauen. Das eigene Selbstbewusstsein wird gestärkt, man wird toleranter und kann Dinge besser einschätzen. Und das möchte ich anderen Berufskollegen vermitteln. Zudem lerne ich viele interessante Menschen kennen, man baut wichtige Netzwerke aus. Das ist in jedem Fall ganz wichtig.
dlz: Wie schätzen Sie den Meinungsaustauch mit Gleichgesinnten ein?
Volquardsen: Das ist ganz bedeutend und maßgebend. Sowohl als Teilnehmerin als auch auf Vortragsveranstaltungen habe ich sehr den Erfahrungsaustausch unter Berufskollegen schätzen gelernt. Es ist einfach schön, gemeinsam zu ganz neuen Ansätzen und Lösungen zu kommen. Das fördert auch den Zusammenhalt in der Gruppe. Der Blick wird auf das Wesentliche konzentriert, und zwar auf unsere Stärken, unsere Ziele und auch auf unsere Chancen. Man lernt die Stärken zu stärken und die Schwächen zu schwächen.
dlz: Stellen Sie Ihre Erfahrungen und Kompetenzen anderen zur Verfügung?
Volquardsen: Ganz sicher, schließlich lerne ich auch bei jeder Veranstaltung oder bei jedem Training dazu. Gerade die persönlichen Erfahrungen, die einem selbst und auch betrieblich weiter gebracht haben, möchte ich weiter geben. Ich möchte andere dann davon begeistern und mach das mit einer von innen kommenden Überzeugung. Es macht mir einfach Spaß, ein Stück Öffentlichkeitsarbeit für den Berufsstand zu machen und oft bekomme ich etwas zurückgespiegelt, was meinen eigenen Blick erweitert. Das bedeutet für mich ein Stück Lebensqualität. Ich denke, das geht vielen anderen auch so. Nicht umsonst heißt es, Erfolg macht sympathisch.
dlz: Ist es aus Sicht der landwirtschaftlichen Unternehmerin ein Unterschied, ob Sie mit Frauen oder mit Männern Geschäfte abwickeln oder zusammen arbeiten?
Volquardsen: Durchaus, wenn auch der Anteil der Frauen in der Landwirtschaft wächst, so ist es doch eher eine Männerdomäne. Wenn auch die Produktionsfaktoren in den jeweiligen Bereichen gleich sind wie Arbeit, Kapital und Boden, so macht der Mensch den Unterschied aus. Wenn ich als Frau zu einer Frau spreche ist das anders als von Frau zu Mann. Als Frau muss man sich in der Landwirtschaft behaupten. Auch muss man als Frau erst lernen, den passenden Ton und Umgang zu finden. Auf der einen Seite darf man nicht zu bissig wirken, andererseits aber auch nicht das Image von "Dummchen" oder "Zicke" erhalten. Als Frau muss man im Kontakt bleiben und einen langen Atem haben.
dlz: Was bedeutet "Frauenpower" für Sie?
Volquardsen: Das hört sich so emanzipiert an, das ist es aber nicht. Egal ob Frauen-oder Männerpower, wenn wir erfolgreich sein möchte, muss wir kompetent und diszipliniert sein, strukturiert arbeiten können und vor allem muss es einem Spaß machen. Nicht nur auf unserem Betrieb ist es so, dass Frauen genauso viel zum Betriebserfolg beitragen.
dlz: Welche Kompetenzen oder Eigenschaften sind für Frauen in ihrer Position in der Landwirtschaft wichtig?
Volquardsen: Es gibt verschiedene Erfolgsdisziplinen, die bei jedem unterschiedlich ausgeprägt sind, egal ob für Frauen oder für Männer. Wichtig ist ein Ziel vor Augen zu haben. Konzentriertes Arbeiten ist genauso bedeutend wie sich entspannen zu können. Wer selbstbewusst auftritt, kann andere begeistern. Nur wer sich auch neue Dinge zutraut, kommt weiter. Dazu zählt auch mutig und konsequent sein. Gute klare Beziehungen, ein partnerschaftliches Miteinander und auch ein ausgebautes Netzwerk bringen einen persönlich als auch betrieblich weiter. Landwirtschaft hat ein positives Image, darauf kann man aufbauen. Landwirtschaft ist bedeutend, wird in Zusammenhang gebracht mit "Verlässlichkeit" und "Ehrlichkeit". Und nicht zuletzt ist die eigene Motivation ganz wichtig. Was uns Spaß macht, bringt uns auch weiter.
dlz: Stichwort vertragliche Absicherung; Was ist für Sie wichtig?
Volquardsen: Als landwirtschaftliche Unternehmerin muss ich in allen Verträgen und Geschäftsbeziehungen mit berücksichtigt werden. Die Rechte und Pflichten müssen für alle gleich sein, ebenso die Absicherung. Für das, was wir selbst verantworten, sollen wir uns auch selbst verantwortlich zeigen.
dlz: Wie werden auf Ihrem Betrieb Probleme gelöst?
Volquardsen: Probleme können nur dann beseitigt werden, wenn man darüber redet - egal ob mit der Familie, dem Geschäftspartner oder den Mitarbeiter. Nur im Gespräch miteinander können Meinungsverschiedenheiten und Schwierigkeiten gelöst oder unterschiedliche Sichtweisen auf einen Nenner gebracht werden. Und das zwischenmenschliche Miteinander wird durch lockere Runden und ab und zu gemeinsame Feiern gefördert.
dlz: Was ist ihr Ziel in den nächsten Jahren?
Volquardsen: Betrieblich möchte ich die wirtschaftliche Ausgangslage so halten. Sie soll eine gute Basis für die Kinder bleiben. Unser Sohn Momme wird in die GbR mit einsteigen. Interessant wäre auch für mich, den Bereich der Hühnerhaltung weiter auszubauen, denn die Direktvermarktung macht mir einfach Spaß.
Ute Volquardsen (46) hat die Ausbildung zur Hauswirtschaftsleiterin absolviert. Sie ist seit 1985 Landwirtin. Ihre drei Kinder Marten (25), Momme (24) und Gyde (22) helfen in Arbeitsspitzen mit und Momme wird in den Betrieb einsteigen. In der GbR arbeiten Gerhard und Ute Volquardsen (jeweils mit eigenen Betriebsstandorten), alle Kinder (wenn sie da sind), zwei Mitarbeiter, einen Auszubildenden und Erntehelfer. Der Betrieb liegt zwischen Husum und Niebüll in Nordfriesland (Schleswig-Holstein). Der Stammbetrieb liegt im Sönke-Nissen-Koog (wurde erst 1924 bis 1926 eingedeicht), 700 Meter hinter dem Deich. Es ist ein Marktfruchbetrieb, mit 600 ha Ackerbau (Winterweizen, Raps). Die Böden sind größtenteils junge Marschböden mit 75 bis 96 Bodenpunkten. Die GbR hält 10.000 bis 12.000 verkaufte Mastschweine und 900 Legehennen in Bodenhaltung. Durch die Zupachtung werden mehrere Hofstellen und Ställe bewirtschaftet, die Ackerflächen liegen bis zu 20 km entfernt. Ein großer Maschinenbesatz ist notwendig, da wegen des kühlen maritimen Klimas die Ernte im Sommer später beginnt. Die Aussaat für das Folgejahr wird möglichst bis Anfang Oktober abgeschlossen sein, weil die Böden später durch die Nässe nicht zu bewirtschaften sind. Ein zusätzliches Standbein des Betriebes ist die Erzeugung regenerativer Energien mit Windräder und Photovoltaik. kh