Was die Medienarbeit von Tierrechtlern bezwecken soll, ist schnell geklärt: Es geht vor allem darum, umgehend einen Aufschrei in der Öffentlichkeit auszulösen. Je drastischer die Bilder, umso besser. Oftmals wird gleichzeitig mit der Veröffentlichung gegen die Betriebe, aus denen die Aufnahmen angeblich stammen, wegen vorgeblicher Verstöße gegen den Tierschutz Strafanzeige gestellt. Das erhöht die Brisanz für die Medien. Dass dabei auch mal die Wahrheit auf der Strecke bleibt und Betroffene zu Unrecht in Misskredit gebracht werden, zeigt zum Beispiel der Fall der Prignitzer Landschwein GmbH. Dem Unternehmen warf Peta Tierquälerei bei der Ferkelkastration vor. Zur Untermauerung griff Peta dabei Filmmaterial auf, das ein Team des Senders Tier-TV mit Billigung des Betriebs in einem ganz anderen Zusammenhang aufgenommen hatte.
Ein Verfahren aufgrund von Strafanzeigen, die Peta und die "Albert-Schweitzer-Stiftung für unsere Mitwelt" gegen das Prignitzer Unternehmen eingereicht hatten, wies die Staatsanwaltschaft zurück. Und machte damit klar: Es gab keinen Grund zur Beanstandung. Doch diese für den Betrieb guten Nachrichten fanden in den Medien längst nicht mehr den Widerhall wie die anfänglichen Skandalmeldungen. Diese waren für die Medien, die zuvor die Vorwürfe von Peta mit verbreitet haben, allenfalls noch eine Randnotiz. Besonders perfide: Nach wie vor schreibt das Deutsche Tierschutzbüro auf seiner Internetseite www.tierschutzbilder.de, der Fall Prignitzer Landschwein sei "ein besonders grausamer Fall von Tierquälerei". So klar das Ziel ist, mit drastischen Bildern die Öffentlichkeit zu mobilisieren, so klar ist nicht immer, wozu die Stimmungsmache am Ende dient. Denn: so eindeutig die Aussagen vieler Tierrechtsorganisationen, sie würden zum Wohl der Tiere handeln, auch sind, so wenig leuchtet ein, dass sie, angeblich zum Zweck der Dokumentation, erst einmal zusehen, wenn sie vorgebliches Tierleid vor die Kamera bekommen, bevor sie im Sinne der Tiere handeln und die zuständigen Behörden einschalten. Geht es den Tierrechtlern also noch um etwas anderes? Schließlich müssen sich die Organisationen neben anderen auf dem Markt der Meinungen behaupten. Öffentlichkeit tut nun mal gut im Ringen um Unterstützung durch die Mitbürger ideell wie materiell. Immerhin bestreiten Peta und Vier Pfoten, die beiden bekanntesten Tierrechtsorganisationen in Deutschland, jeweils über 90 Prozent ihres Budgets aus Spenden und Zuwendungen aus Nachlässen.
Insgesamt sind die Tierrechtsszene und ihre nationalen wie internationalen Verflechtungen schwer zu durchschauen. Während sie Landwirten und Ernährungswirtschaft Undurchsichtigkeit und Verschleierung vorwirft, lässt sie selbst Transparenz vermissen. Als sicher gilt, dass gerade militante Aktivisten über ein sehr engmaschiges Beziehungsnetz im deutschsprachigen Raum sowie international verfügen. Das Internet scheint dabei wichtiger Dreh- und Angelpunkt zu sein. Neben der Animal Liberation Front geben weitere Internetseiten Tipps für die Planung von Aktionen und weisen auf bevorstehende oder durchgeführte Aktionen hin. Noch haben extreme Tierrechtler nicht den Grad der Militanz gegen die landwirtschaftliche Nutztierhaltung erreicht, wie sie zum Beispiel von Aktionen gegen Versuchslabore berichtet wird. Aber je mehr sich Vorbehalte gegen die Nutzung von Tieren zu wirtschaftlichen Zwecken in der Bevölkerung breit machen, umso mehr ist zu befürchten, dass Übergriffe zunehmen, bei denen Sachschäden billigend in Kauf genommen werden. ds
Der vollständige Beitrag ist in dlz Oktober 2010 erschienen.