Mittwoch, 23.05.2012
Schnecke statt Dreiecksständer
Für optimale Erträge werden Fotovoltaikmodule auf flach geneigten Trapezblechdächern oft mit Dreiecksstützen installiert. Ein alternatives Befestigungssystem ist schneller zu verbauen und spart Material.
Ein neues Stützensystem trägt die Fotovoltaikanlage.
© Dany
Noch ist das Betriebsgelände von Elektromeister Alfred Brückl eine Baustelle. Das Hauptgebäude steht im Rohbau und an den Außenanlagen gibt es noch viel zu tun. Am Carport, in dem später drei Pkw und fünf Fahrräder Platz finden, sitzt Brückl auf einer Klappbank und erzählt: "Oben kommt eine PV-Anlage rauf, aber mit einem alternativen Aufständerungssystem." Die dafür verwendeten Profile hat er von der MHH Solartechnik GmbH bezogen. Brückl verbaut ausschließlich das Montagesystem von MHH, das "novotegra" heißt.
Schwere Schönlinge
Nach langem Warten wird darauf heute endlich die PV-Anlage installiert. Brückl hat sich für polykristalline 290-W-Module von Schott-Solar entschieden. Diese sind leicht transparent und durch die Doppelglasausführung robust. Nachteil der 1,31x1,69 m großen Schönlinge: Jedes Modul wiegt 42 kg. Die Auslegungssoftware "novotega-Planer" errechnete für Brückls Carportdach eine Modulbelegung mit drei Reihen zu je sieben Modulen, so dass sich eine Leistung von 6,1 kW
peak ergibt. Oben auf dem Dach verteilen die Mitarbeiter EPDM-Dichtstreifen. Damit die Dachhaut dicht bleibt, kleben sie diese Unterlagen unter das Schienenprofil. Sie sind Bestandteil des Befestigungssets.
Rund fixieren
Die Profile sind extra für die neue Auf-ständerung konstruiert worden. Produktentwickler Thomas Pfaff ist auf die Baustelle gekommen und erklärt das System: "Wegen der temperaturbedingten Längenausdehnung begrenzen wir die Profile auf maximal 2 m Länge. Ihre Besonderheit sind die gerundeten Aufnahmen, die die Modulhalter fixieren. Diese müssen an den Rahmenbohrungen der Module befestigt werden. Das Modul wird dann quer in das Profil eingelegt, wobei die unteren Halter eine Schneckenform haben, mit der sie als Gegenstück in die Aufnahmen passen. Dann werden die Module an der oberen Längsseite mit Stützen verbunden. Mit einem Gewinderohr kann dann die Neigung später bis zu 40° fein eingestellt werden. Mit diesem Befestigungssystem können Module auch auf Norddächern installiert werden. "Das System ist schneller zu montieren als herkömmliche Dreiecksaufständerungen, und es ist sehr Material sparend", nennt der Ingenieur die größten Vorteile.
Im Lager vorbereiten
"Die Schnecke nach unten", ruft Pfaff zu den Monteuren. Vor dem Festschrauben der unteren Profile spannt er mit einem Monteur eine Schnur: "Hier muss exakt gearbeitet werden, denn es gibt keine zweite Schraubebene wie bei anderen Systemen." Die Profile müssten deshalb 100-prozentig in einer Linie sein, sonst würden die Module schräg stehen oder es gäbe Kantenversätze. Bei den oberen Basisprofilen müsse es nicht ganz so genau gehen, denn hier könne mit den Gewinderohren der Stützen noch ausgeglichen werden. Pfaff und Brückl beschließen, die Module erst oben auf dem Dach mit den Haltern zu bestücken. "Das ist ein weiteres Plus des Systems", erläutert Pfaff: "Gerade bei schlechtem
Wetter kann mit der Haltermontage auf dem Boden oder im Lager vorgearbeitet werden." Im heutigen Fall hätten die schweren Module aber eigens aus dem Holzverschlag heraus und dann wieder hinein gehoben werden müssen. Zuerst wird ein Modul mit den vier Haltern versehen, in ein Basisprofil eingelegt und getestet: Jawohl, die Abstände passen. Jetzt können die Profile vollständig angeschraubt werden. Parallel beginnt ein Monteur die Modulhalter an den Rahmenbohrungen festzuschrauben. "Die Anschlussdose muss nach links", sagt Brückl zum Monteur. Der Elektromeister hat zwei Strings vorgesehen: Einen für die untere Modulreihe, die mittlere und obere wird auf einen zweiten, größeren Wechselrichter geschaltet. "Ich gehe davon aus, dass auf der vorderen Reihe der Schnee leichter abrutscht", meint Bückl.
Christian Dany
Der vollständige Beitrag ist in dlz November 2010 erschienen.
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