Mittwoch, 23.05.2012
Roter Riese auf Samtpfoten
Zugegeben: Mit unserer Überschrift wollen wir etwas provozieren, denn bislang war der Quadtrac von Case IH nicht gerade für seinen Fahrkomfort bekannt. Was die neue Kabinenfederung bringt und was sich die Case-IH-Ingenieure sonst noch so an Neuerungen haben einfallen lassen, wollten wir im Praxiseinsatz herausfinden.
Eine imposante Erscheinung: Der Case IH Quadtrac 500 EP im dlz-Fahrbericht.
Auf dem Gebiet schwerer Raupentraktoren ist
Case IH ein Pionier erster Stunde. 1996 stellten die Amerikaner ihre Steiger-Knickschlepper erstmals auf Gummibänder eine gute Entscheidung, wie der seitdem andauernde weltweite Erfolg zeigt. Denn in Sachen Traktion macht dem Quadtrac kaum jemand etwas vor. Die Konkurrenz ist trotzdem hart, schließlich umfasst der Markt für Großtraktoren über 400 PS hierzulande gerade einmal rund 60 Einheiten pro Jahr. Mit 15 bis 20 Stück sicherte sich
Case IH mit dem Quadtrac bisher gut ein Viertel des Kuchens will diesen Anteil aber ausbauen. Dennoch: Hauptkritikpunkt war stets der Fahrkomfort Fahrwerk wie Kabine waren bislang nicht gefedert. Zur Einführung der Tier-4i-Abgasnorm letztes Jahr haben die Ingenieure das geändert. Auch sonst wurde vieles verbessert.
12,9 l Hubraum
Die Quadtrac-Baureihe umfasst derzeit vier Modelle mit 457 bis 669 PS Maxleistung (ECE-R120). Bei den Steiger-Radschleppern sind es sogar sechs Modelle ab 390 PS Maxleistung, von denen die Steiger 400 und 450 auch in Deutschland in der Preisliste stehen. Im höheren PS-Bereich ist der Quadtrac aber der bessere Weg, um Motorleistung schonend auf den Boden zu übertragen und beim Umsetzen unter 3,00 m Außenbreite zu bleiben (nur mit den serienmäßigen 762-mm-Laufbändern). Der Quadtrac 500 EP leistet bei 2.100 U/min 373 kW/507 PS. Maximal liegen 410 kW/557 PS an bei 1.800 Umdrehungen. Das maximale Drehmoment beträgt beachtliche 2.374 Nm - bei nur 1.400 U/min. Vor dem 7,5-m-Centaur mit rund 15 cm Arbeitstiefe fuhren wir auf schwerem, verdichtetem Tonboden (geräumte Zuckerrübenfläche) bei etwa ein Prozent Schlupf etwa 10 km/h. Der Verbrauch pendelte zwischen 12 und 14 l/ha. Der (noch nicht eingefahrene) Motor blieb dabei immer gut am Gas und ließ sich nicht kleinkriegen.
Kabine mit Federung
Kommen wir zu der Neuerung, auf die viele Quadtrac-Fahrer lange gewartet haben: die Kabinenfederung. Sie ist für 3.570 Euro Aufpreis zu haben, und wirklich anzuraten. Zwar ist das mechanische Vierpunkt-system mit Spiralfedern, Dämpfern und Stabilisatoren nicht so aufwendig aufgebaut wie ein aktives Federungssystem und lässt sich im Federungsverhalten nicht einstellen. Aber gegenüber den ungefederten älteren Quadtracs merkt man trotzdem einen gewaltigen Fortschritt hin zu mehr Komfort. Stollenschläge und Vibrationen sind im Feld kaum noch spürbar, nur bei tieferen Unebenheiten oder Querfurchen merkt man noch etwas. Dabei übertreibt es die Federung nie; es kommt also nicht zum Aufschaukeln. Ist der Fahrkomfort mit einem Rad-Knickschlepper vergleichbar? Jein, denn beide bieten Ihre Vor- und Nachteile: Radschlepper schlucken zwar eher Boden- unebenheiten weg, neigen aber gerade bei geringen Luftdrücken unter 1 bar stärker zum Schaukeln. Hier steht der Quadtrac mit seinen vier Laufbändern wesentlich stabiler, wenngleich er sich nach wie vor typisch Raupe etwas härter fährt.
dlz-Gesamtbewertung
In den neuen Quadtrac hat
Case IH eine Menge neuer Features gepackt. Allen voran bringt die mechanische Vierpunktfederung der Kabine deutlich mehr Fahrkomfort. Das macht sich besonders an langen Arbeitstagen bemerkbar. Für noch höhere Komfortansprüche wäre eine aktive Kabinenfederung als Wunschausstattung toll. Das Grundkonzept mit vier um je zehnGrad pendelnden unabhängigen Raupenlaufwerken, der Knicklenkung mit 13 Grad Pendelwinkel und zwei zuschaltbaren Differenzialsperren ist, abgesehen von aufwendigen Nachrüstmöglichkeiten, immer noch einzigartig und nun wesentlich angenehmer zu fahren.
mu
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin November 2011 erschienen.
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