Mittwoch, 19.06.2013
Familie Decker baute in der Ackerbauregion um das niedersächsische Peine einen Folienstall für ihr Milchvieh. Ein kluges Stallkonzept, das geringe Baukosten und eine hohe Milchleistung möglich macht.
Lutz Decker baute mit Blick in die Zukunft und in die Gegenwart: günstig, grundfutteroptimiert und erweiterbar.
© Anneke Hasemann
"Wenn ich einen Milchviehstall bauen würde, dann auf jeden Fall einen Folienstall." Diese Worte des ehemaligen Ausbilders von Lutz Decker im Jahr 1997 sollten dem Betriebsleiter nicht mehr aus dem Kopf gehen. Heute steht im niedersächsischen Bierbergen bei Peine, ausgelagert, solch ein Milchviehstall mit 330 Plätzen.
Gas geben
2007 war es damals eine Abschlussarbeit der Universität Kiel, zusammen mit den prägenden Worten des damaligen Ausbilders von Lutz Decker, die eine neue Betriebsidee, Konzepte und Vorstellungen auf den Weg brachten: den Bau des Folienstalls. Familie Decker wollte den Milchviehbereich auslagern und aufstocken. Dafür sollte nur eine Hülle aus Folie das Gebäude umgeben.
Bauen mit Köpfchen
Im Oktober 2007 begann schließlich die achtmonatige Bauphase. "Die war recht kurz, da wir die Arbeit in der Familie gut eingeteilt hatten", erklärt Lutz Decker. Familie Decker baute zwei Ställe mit insgesamt 330 Plätzen. In der kleineren Folienhalle sind die Jungtiere, Abkalbeboxen und Färsen untergebracht, in dem größeren die zu melkenden Kühe. Um ihren Stall günstig und gleichzeitig optimiert bauen zu können, hielt Lutz Decker sich an seinen Leitsatz: an nicht so wichtigen Stellen sparen und das Eingesparte an wichtigeren Orten im Stall sinnvoll investieren. So stehen die Folienhallen auf einem Einzelfundament. Seinen Leitgedanken setzte er hier in der Schalung des Fundaments und des Güllekellers um: Herkömmliche Hausbauelemente, wie Hohlwandelemente, die er mit Beton auffüllte, sparten Geld, das er an anderer Stelle wieder investierte.
Viel Luft und Licht
Die Folie lässt zehn Prozent des Lichts in den Stall. Sie ist von außen grün und von innen weiß beschichtet. Weiß reflektiert das Licht und lässt den Stall schön hell wirken. Metalldampflampen machen zusätzliches Licht. "Beim Einbau der Lampen haben wir uns auch gleich für ein Lichtprogramm entschieden", erzählt der Milchviehhalter, "Es simuliert 18 Stunden Tag und 6 Stunden Nacht und soll die Milchleistung erhöhen." Neben der Helligkeit ist auch das Klima ein wichtiger Faktor, der für den Folienstall spricht. Bedenken, dass sich im Stall ein Gewächshausklima entwickele, kann Lutz Decker nicht bestätigen. "Die Folie heizt sich nicht auf", erklärt er. "Schiebt sich eine Wolke vor die Sonne, wärmt sie nicht nach." Damit die Luft zirkuliert, lassen sich an den Seiten Curtains öffnen. Ventilatoren im Stall bewegen die Luft zusätzlich. Auch bei kälteren Temperaturen ist das Klima in den Ställen gut. "Klar, es ist fast so kalt wie draußen", sagt Lutz Decker. "Deswegen müssen wir im Winter das Wasser in den Tränken heizen." Die Schneemassen, wie im vergangenen Winter, konnten der Konstruktion nichts anhaben.
Happy End
Die Idee, einen grundfutteroptimierten Stall kostengünstig zu bauen, ist aufgegangen. Die Milchleistung aus dem Grundfutter ist gestiegen. Decker strebt künftig an, 6.000 l Milch aus dem Grundfutter zu erfüttern. Auch der Stallbau mit Investitionskosten in Höhe von 1 Mio. Euro und rund 3.000 Euro je Kuhplatz inklusive Melkstand ist vorbildhaft.. Die Eigenleistungen sind dabei einkalkuliert. Die Kosten waren zu 20 Prozent über die Förderung abgedeckt, und zu weiteren 40 Prozent fremdfinanziert. Die restlichen 40 Prozent brachte die Familie selbst auf.
Für die Zukunft können sich Vater und Sohn vorstellen, den Stall noch mal zu erweitern. "Doch erst einmal möchten wir die Herde aufstocken, und den Stall vollmachen." ah
Der vollständige Beitrag ist in dlz primus Rind November 2010 erschienen.
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