Robert Schnellhammer, Berater am Amt in Passau, ist erleichtert, dass sich die Diskussionen versachlicht haben.
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Ist die Eingrenzungsstrategie Ihrer Meinung nach sinnvoll?
Erwin Stadler: Dass wir eine Fruchtfolge einhalten müssen, um den
Käfer in den Griff zu bekommen, ist unstrittig. In drei Jahren dürfen
wir demnach nur zweimal Mais anbauen. Das schränkt schon stark ein.
Josef Schifferer: Ich fände es sinnvoller, pragmatisch nach
Schadschwellen zu handeln, statt pauschale Regeln festzulegen. Man muss
der Praxis mehr trauen.
Welche Rolle spielt der Körnermais denn für Ihren Betrieb?
Erwin Stadler: Der Nährstoffkreislauf ist auf den Mais ausgelegt.
Körnermais bringt im Gegensatz zu Silomais viel organisches Material
zurück auf das Feld. Das baut Humus auf. Meine Schweinemast passt ideal
dazu, weil Mais die Gülle ideal nutzen kann. Getreide oder Soja können
die Gülle nicht in dem Umfang verwerten.
Josef Schifferer: Mir als Nebenerwerbslandwirt kommt Mais entgegen. Er
schafft Freiräume und bindet nicht so viel Arbeitszeit wie etwa Weizen.
Der Absatz ist stabil und nicht so schwankend wie bei Getreide. Jetzt
in Anlagen und Technik für Getreide zu investieren, birgt viel
Unsicherheit.
Wie müssen Sie Ihre Fruchtfolge wegen der Anbaupausen jetzt anpassen?
Georg Grill: Im Einzugsgebiet der Trocknungsanlage haben die
Kollegen in den letzten Jahren auf 250 ha mit Soja experimentiert. Nur
ein Praktiker war zufrieden mit dem Ergebnis.
Johann Fischer: Ich habe mich im vergangenen Jahr an Soja versucht,
aber das hat nicht geklappt. Auf den guten Auenböden, immerhin ein
Viertel meiner Betriebsfläche, habe ich 40 Jahre ohne Probleme
Körnermais angebaut. Selbst hier muss ich jetzt 30 Prozent Getreide
anbauen.
Josef Schifferer: Das Problem in unserer Gegend sind die klein
strukturierten Flächen. Da bringen die Fruchtfolgeauflagen wenig, wenn
der Nachbar gerade Mais anbaut. Sinnvoll wäre eine geschlossene
Bestellung größerer Flächen, im Sinne einer Gewannebewirtschaftung. Und
dort könnte man dann schadschwellenbezogen durch Anbaupausen auf den
Befall reagieren. Da würde ich mir mehr Vertrauen in unser Können
wünschen.
Welche Möglichkeiten bleiben Ihnen, um den Bohrer in Schach zu halten?
Erwin Stadler: Den Maisanteil zu reduzieren, ist sicher am wirkungsvollsten. Beizung ist kein Thema, weil es keine Zulassung gibt.
Georg Grill: Die Beizen wären für die Zukunft schon
vielversprechend. Sie sind am umweltfreundlichsten und wirken gezielt.
Gerade bei stärkerem Befall wären sie hilfreich.
Erwin Stadler: Das Spritzen im stehenden Bestand mit Biscaya ist
ein großer technischer Aufwand und teuer. Außerdem ist das der
Bevölkerung nicht zu vermitteln. Es wird ja nur noch in neuen
Befallsgebieten gespritzt, bei uns nicht mehr. Nematoden werden groß
diskutiert und versprechen einen Erfolg. Das Verfahren ist aber noch
nicht praxisreif.
In anderen Ländern sind ja gentechnisch veränderte Maissorten zugelassen. Wie ist Ihre Meinung dazu?
Josef Schifferer: Gentechnisch ver- änderte Sorten will der
Verbraucher nicht. Selbst wenn Sorten zugelassen wären, hätten wir
Probleme mit der Vermarktung. Wir sind grenznah zu Österreich, wo GVO
definitiv nicht gewünscht sind.
Georg Grill: Unsere Vermarktung ist darauf momentan gar nicht
ausgerichtet.Dann müsste eine zweite Schiene aufgebaut werden und das
ist momentan kaum vorstellbar.
Die Öffentlichkeit kritisiert die "Vermaisung" der Landschaft. Was antworten Sie?
Josef Schifferer: Die Energiewende steht und fällt mit der Akzeptanz
von Mais in der Bevölkerung. Hier ist die Ministerin
Aigner in einer
Zwickmühle: Sie muss sowohl zum Wohl der Bauern entscheiden als auch die
Interessen von 80 Mio. Verbrauchern vertreten. Bei uns ist der
Stellenwert der Landwirtschaft längst nicht so groß wie in Österreich
oder Frankreich. Momentan haben wir aber eine positive Tendenz. Die
Bevölkerung beginnt zu verstehen, welche Bedeutung auch intensive
Früchte im Hinblick auf die Energiewende haben.
Georg Grill: Und dazu kommt die Flächenknappheit. Dann muss ich
eine Frucht anbauen, bei der ich 12 t/ha ernte und nicht 8 t. Oder ich
bräuchte ein Drittel mehr Fläche. Von der Welternährung will ich da gar
nicht reden.
Josef Schifferer: Anscheinend geht es uns so gut, dass wir uns das
leisten können. Früher hat man sich gefreut, wenn möglichst viel auf dem
Feld gewachsen ist. Heute stellt man das in Frage und überlegt sich,
sieben Prozent der Fläche aus der Produktion zu nehmen.
Robert Schnellhammer: Die Grundwassermessungen hier im intensiven
Maisanbaugebiet bestätigen uns auch, dass der Maisanbau umweltschonend
ist. Die Nitratwerte sind seit vielen Jahren fallend. Das haben die
Praktiker mit Vernunft und guter fachlicher Praxis hinbekommen.
Georg Grill: Der Mais nimmt den Stickstoff genau zu dem Zeitpunkt
auf, wo der Boden ihn freisetzt. Beim Weizen käme das zu spät. Darum
schneidet der Mais in der Bilanz so gut ab.
Das Gespräch führte dlz-Redakteur Klaus Strotmann.
Das vollständige Interview ist im dlz agrarmagazin April 2012 erschienen.