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[ » dlz » Leben » Gesellschaft » Pauken im Kuhstall ]
Dienstag, 22.05.2012
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Gesellschaft | 24.10.2011 Redaktion DLZ

Pauken im Kuhstall

Denken Sie Gruppen und Klassen auf dem Hof sind wie ein Sack Flöhe hüten? Wir zeigen Ihnen wie Annette Aller Lernort Bauernhof auf einem Gemischtbetrieb praktiziert, worauf sie dabei Wert legt und wie sie damit eine zusätzliche Einkommensquelle sprudeln lässt.
Ihre Begeisterung für Kinder, Tiere und Landwirtschaft machen aus Annette Aller eine Lernortbäuerin.
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Ihre Begeisterung für Kinder, Tiere und Landwirtschaft machen aus Annette Aller eine Lernortbäuerin.
Wenn Sie 1.000 Euro investieren, können sie Ihren Hof fit machen für Besuche von Kinder- und Schülergruppen. Besonders Kindergartenkinder und Grundschüler nehmen Informationen über Landwirtschaft mit Interesse und Begeisterung auf. So wird ein realistisches Bild dargestellt, zur Imagepflege und zusätzlicher Einkommensquelle. Die Berechnungen unserer dlz-Beraterinnen zeigen: Zwischen rund 8 und 20 Euro Stundenlohn für Ihre Hofkasse sind drin, wenn sie bestimmte Angebote bereitstellen: Stallführungen, Kartoffeln anbauen, Sahne aus Milch herstellen nur drei Beispiele für Hofaktivitäten.
 
Der vollständige Beitrag ist im dlz agrarmagazin November 2011 erschienen.

Interview Bauernhofpädagogik: Goldgrube oder Idealismus?

Sie gelten bundesweit als Pioniere in Sachen Bauernhofpädagogik: Christine Hamester-Koch und Heiderose Schiller. Beide sehen den Bauernhof als "Schatzkiste", wenn es darum geht Geschäftssinn und gute Ideen zu entwickeln, um ein zusätzliches Einkommen für den landwirtschaftlichen Betrieb zu erzielen. Christine Hamester-Koch ist Pädagogin, Bäuerin und Projektleiterin von "Kochs Bauernhof in Wangelau, Schleswig-Holstein. Heiderose Schiller ist Beraterin der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein für den Bereich Bauernhofpädagogik/Einkommenskombinationen.
 
dlz: Wie ist die Idee der Bauernhofpädagogik entstanden?
Schiller: Der Fachbereich Einkommenskombinationen der Landwirtschaftskammer verfolgt das Ziel neue Einkommensmöglichkeiten für Frauen auf landwirtschaftlichen Betrieben auf zu spüren. Es gab schon vor 15Jahren Pionierinnen die regelmäßig Kinderfeste und pädagogische Angebote auf ihren Höfen durchgeführt haben. Das fand ich klasse und sah darin eine Chance für viele Betriebe, die ausgestattet mit dem nötigen Fachwissen, einen lohnenswerten Zuerwerb zu schaffen. 2005 haben wir den Lehrgang Bauernhofpädagogik konzipiert, der nicht nur rechtliche und betriebliche Fragen aufgreift, sondern insbesondere das pädagogische Rüstzeug vermitteln soll.
Hamester-Koch: Seit 1993 biete ich rund um den Bauernhof Halb-und Ganztageskurse für Kinder an. Ich bin halt die Praktikerin und möchte den Kindern mit allen Sinnen Landwirtschaft vermitteln. Mittlerweile bin ich immer mehr als Referentin und Coach in Sachen Bauernhofpädagogik unterwegs und bringe so mein "Pionierwissen" bundesweit ein. Unser Projekt ist von der Basis entstanden.
 
dlz: Was in Schleswig-Holstein entwickelt wurde, hat sich mittlerweile bundesweit bewährt. Was macht den Lehrgang Bauernhofpädagogik aus?
Hamester-Koch: Ich möchte die Menschen wachrütteln. In Bauern und Bäuerinnen steckt ein großes Potential und der Bauernhof ist eine reine Schatzkiste. Sie sollen erkennen, was in Ihnen steckt und etwas daraus machen. Wir geben ihnen in dem Lehrgang das Know-how.
Schiller: In der Regel umfasst ein Kurs 15 bis 20 Teilnehmer: Die zehn Lehrgangstage sind auf insgesamt vier Blöcke im Jahr verteilt. Der bundesweite Kompaktkurs findet wochenweise statt. Es geht um persönliche und betriebliche Ressourchenanalyse sowie die eigene Wertschöpfung für sich und den Betrieb zu entdecken. Die Teilnehmer entwickeln kreative Wege, um Angebote zu kreieren. Da geht es auch um Marketing, die geeignete Zielgruppe zu finden wie auch um betriebliche und rechtliche Grundlagen. Ganz wichtig sind die individuelle Konzeptentwicklung und die Wirtschaftlichkeitsberechnung. Der besondere Teil ist die pädagogische Grundlagenqualifzierung, wo es um die praktische Umsetzung geht. Die Teilnehmer müssen auch eigene erlebnispädagogische Übungseinheiten planen und durchführen. Bei der Zertifikatsverleihung stellt jeder sein Hofkonzept vor. Mittlerweile haben wir sechs Lehrgänge mit über 100 Absolventen durchgeführt.
 
dlz: Das Qualifizierungsangebot ist sehr umfangreich. Welche Kosten kommen auf die Teilnehmer zu?
Schiller: Der Lehrgang umfasst 10 Tage plus Zertifikatsübergabe. Für Teilnehmer aus Schleswig-Holstein gilt, dass die Lehrgänge vom Land und aus Mitteln des Europäischen Landwirtschaftsfonds für die Entwicklung des Ländlichen Raums (ELER) finanziell unterstützt werden. Für Teilnehmer von landwirtschaftlichen Betrieben kostet der Kurs 750 Euro, für nicht landwirtschaftliche Teilnehmer 1150 Euro. Der bundesweite Kompaktkurs kostet pro Person 595 Euro für 5 Tage inclusive Materialien und Verpflegung.
 
dlz: Geht es bei der Bauernhofpädagogik um die Perfektionierung eines Hobbys oder um eine Einkommensalternative, mit der Geld verdient werden kann?
Hamester-Koch: Öffentlichkeitsarbeit darf Geld kosten. Hier geht es aber darum, ein Einkommen zu erwirtschaften. Der entscheidende Faktor ist ein einzigartiges Konzept, um ein lukratives Standbein für den eigenen Betrieb zu entwickeln. Die persönlichen erlebnispädagogischen Angebote machen den Erfolg letztendlich aus, Klasse statt Masse ist hier gefragt.
Schiller: Wenn ein Einkommen erzielt werden soll, so muss das Angebot von Anfang an seinen Preis haben und genau kalkuliert werden. Der Hauptkostenfaktor sind die Personalkosten. Um wirtschaftlich arbeiten zu können, muss eine Veranstaltungsstunde 40 bis 50 Euro bringen. Es muss ja die Akquise und die Vor-und Nacharbeit mit berücksichtigt und entlohnt werden. Das bedeutet, dass pro Kind und Stunde rund drei bis fünf Euro eingenommen werden müssen. Unsere Erfahrungen sind, dass diese Preis auf dem Markt durchaus zu realisieren sind.
 
dlz: Sie haben einige Wirtschaftlichkeitsberechnungen durchgeführt. Wie sehen die konkreten Zahlen aus?
Schiller: Wir haben mehrere Kalkulationen durchgeführt, um einen möglichen Stundenlohn zu berechnen. Natürlich ist das letztendlich sehr individuell und muss auf den jeweiligen Betrieb abgestimmt werden. Folgende Faktoren sind aber entscheidend: Zunächst muss jeder im Vorfeld die freie mögliche Zeit zu Grunde legen. Der Kapitalbedarf kann am Anfang sehr gering gehalten werden. Es genügt das Herrichten einer überdachten Räumlichkeit, beispielsweise auf der Diele oder eine Ecke im Kuhstall. Wird vereinbart, dass die jeweiligen Gruppen das Essen, was sie verzehren, auch selber mitbringen, so müssen hierfür keine baulichen Maßnahmen berücksichtigt werden. Lohnend sind Investitionen in Schubkarren und Handwerkszeug für die Gruppen. Mit 1000 Euro können einige Anschaffungen gemacht werden. Möchte man organisierte Kinderfeste, eine Beköstigung oder einen Aufenthaltsraum einrichten, so muss man für eine einfache Küche, bauliche Maßnahmen und sanitäre Anlagen je nach den baulichen Voraussetzungen mindestens 10.000 Euro veranschlagen. Unsere Erfahrungen sind, dass für Werbung, Versicherung, Telefon und Buchführung je nach Umfang zwischen 1000 und 3000 Euro veranschlagt werden sollten. Die Materialkosten sind in der Regel sehr gering, da es sich natürlich anbietet vorhandene Naturmaterialien zu verwenden. In unseren Berechnungen haben wir Betriebe, die im Jahr 200 Stunden in den Bereich Bauernhofpädagogik arbeiten, aber auch Betriebe, die bis zu 2000 Stunden Zeit investieren. Der Stundenlohn je nach Kapitalbedarf, Stundenumfang für Vor- und Nachbereitung und Kursgebühr schwankt von 8 bis 20 Euro. Unsere Erfahrungen zeigen aber auch, dass der erzielte Stundenlohn mit Schulklassen geringer ausfällt als ein Angebot mit Kindergruppen, Kinderfesten und Jahreskursen.
 
dlz: Was ist nach dem Qualifizierungsangebot? Was bieten Sie den Absolventen der Lehrgänge an, um sich auch künftig fortzubilden?
Hamester-Koch: Ich coache jeden Teilnehmer persönlich auf dem eigenen Betrieb. Wir professionalisieren das Konzept vor Ort, decken Schwachstellen auf und korrigieren die tägliche Arbeit. Am Anfang muss nicht alles perfekt sein. Es darf langsam wachsen.
Schiller: Die Absolventen des Lehrgangs können auch untereinander Erfahrungen austauschen, sich kontinuierlich fortbilden um die eigene Arbeit zu überprüfen und zu verbessern. Dazu zählen Seminare zu Fachthemen, Exkursionen und interne Expertenforen im Internet, um sich mit Kollegen auszutauschen. kh 
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