Dienstag, 22.05.2012
Leicht und doch stabil
Mit dem 150 B "Odin" hat Kverneland seit 2009 einen leichten Anbaudrehpflug mit hohlgeschmiedeten Grindeln im Programm. Wir haben die fünfscharige Variante ausgiebig unter die Lupe genommen.
Der Kverneland 150 B "Odin" wird mit bis zu fünf Furchen angeboten. Der Pflug erwies sich im dlz-Dauertest als leicht, und doch robust.
Mittlerweile ist es bei Kverneland fast schon Tradition, Bodenbearbeitungsgeräte nach nordischen Göttern zu benennen. So auch beim Anbaudrehpflug "Odin" 150 B. Odin war der Hauptgott der nordischen Mythologie - und galt als überaus weise. Nun läßt sich dieses Attribut wohl kaum auf einen Pflug übertragen. Wohl aber die Tatsache, dass Odin einen niemals das Ziel verfehlenden Speer besaß. Und damit wären wir beim Thema Schmieden. Neu am Odin sind vor allem die aus dem Grubberbau stammenden hohlgeschmiedeten Grindel, die ordentlich Gewicht sparen sollen. Damit kommt die fünfscharige Ausführung auf gerade einmal 1.400 kg Einsatzgewicht. Leichter geht es wirklich kaum. Ob man deswegen Zugeständnisse bei der Haltbarkeit machen muss, wollten wir im Einsatz auf schweren Lehmböden herausfinden.
Rahmen und Drehwerk neu
Der 150 B wurde für leichte Traktoren entwickelt und trat Anfang 2010 die Nachfolge des VX an. Ursprünglich erfolgte die Freigabe für Traktoren bis 130 PS. Mittlerweile dürfen bis zu 150 PS starke Schlepper vorgespannt werden. Für den 150 B hat Kverneland einen neuen Rahmen entwickelt. Für das größte Modell mit fünf Scharen beträgt der Querschnitt 150 x 150 mm. Der Stahl ist induktionsgehärtet, was eine dünne Materialstärke von 6,3 mm erlaubt und so nochmals Gewicht spart. Durch die Gewichtseinsparungen beim Rahmen und den Grindeln mussten die Konstrukteure weniger Zugeständnisse bei den Abmessungen machen. Mit 100 cm Körperabstand und 80 cm Rahmenhöhe kann der 150 B so auch ordentlich organisches Material einarbeiten, ohne zu stopfen. In unserem gesamten Testeinsatz über 130 ha, in dem wir auch Maisstroh eingearbeitet haben, gab es keinerlei Probleme mit dem Durchgang. Ein neues Drehwerk haben die Norweger ihrem neuen Star auch verpasst. Die hohle Drehwelle ist wie alle tragenden Bauteile des 150 B ebenfalls induktionsgehärtet. Mit 110 mm Durchmesser fällt sie eher klein aus, hielt unserem anspruchsvollen Testeinsatz aber anstandslos stand.
Hohlgeschmiedete Grindel
Augenfälligstes Merkmal des 150 B sind wohl die Hohlgrindel mit 80 x 40 mm Profil. Das Prinzip stammt aus der Grubberkonstruktion. Hier setzt Kverneland bereits seit Jahren auf diese Bauart und das wohl mit guten Erfahrungen. Durch die Gewichtseinsparungen beträgt der Hubkraftbedarf für die fünfscharige Ausführung laut Hersteller nur 3.700 kg - damit dürften selbst Hubkraftschwache 80-PS-Schlepper keine Probleme haben. Die Grindel sind mit dem Hauptrahmen verschraubt. Mittels einer Vierer-Lochkulisse kann die Schnittbreite mit Werkzeug zwischen 35 und 50 cm verstellt werden. Auf eine hydraulische Schnittbreitenverstellung als Option haben die Konstrukteure zugunsten der Gewichtseinsparungen verzichtet.
Saubere Arbeitsqualität
Wir haben den 150 B auf rund 130 ha zur Herbstbestellung und Winterfurche eingesetzt. Dabei wurden auch Gülle und Biogassubstrat eingearbeitet. Mit den Streifenkörpern (Körper Nr. 30) haben wir sowohl auf sehr lehmigen als auch auf sandig-kiesigen Böden arbeiten können. Der Erdbalken wurde auch bei 20 cm Arbeitstiefe sauber gedreht, so dass kaum organische Rückstände im Saatbett verblieben. Aber gut, diese Qualität hatten wir von einem Kverneland-Pflug ehrlich gesagt erwartet. Stabilitätsprobleme gab es während des gesamten Einsatzes nicht. Wir haben allerdings während der gesamten Einsatzdauer ohne Packer gearbeitet. Für den integrierten Packer "Packomat" ist der 150 B übrigens nicht ausgelegt, die Belastungen beim Schwenken würden Rahmen und sonstige tragende Bauteile dann doch überbeanspruchen. Einen "normalen" Packerarm bekommt man aber natürlich.
Fazit
Der 150 B Odin hat sich in unserem Dauertest als robustes Leichtgewicht herausgestellt. Das traut man ihm auf den ersten Blick so gar nicht so. Die Ausstattung ist allerdings dementsprechend einfach. So muss man mit einer mechanischen Schnittbreitenverstellung im Vierer-Lochraster Vorlieb nehmen. Zu Gunsten des Gewichts haben die Konstrukteure auf eine hydraulische Schnittbreitenverstellung verzichtet. Dafür gibt es optional die hydraulische Einstellung der Vorderfurchenbreite. Da sich der Zugpunkt per Parallelogramm selbst einstellt, bietet zumindest diese Lösung einigen Einstellkomfort. Für Standorte mit hohem Steinbesatz gibt es jetzt auch die Variante S mit Federpaketen. Die aus dem Grubberbau bekannten Hohlgrindel bieten aber bereits am 150 B einen gewissen Schutz vor Fremdkörpern. Mit den Arbeitsergebnissen waren wir sehr zufrieden. Die Streifenkörper kamen mit unseren schweren, bindigen bis leichten Böden gut klar. Selbst bei geringer Arbeitstiefe und trockenen wie feuchten Bedingungen wurde der Bodenbalken sauber gedreht. Mit 130 bzw. 150 PS Leistungsfreigabe wären wir auf dem Teststandort aber nicht weit gekommen. Mit rund 20.000 Euro Kaufpreis in Testausstattung macht Kverneland eine klare Ansage. mu
Der vollständige Beitrag ist in dlz Juli 2011 erschienen.
Der neue Kverneland im dlz-Video
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