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[ » dlz » dlz-Aktuell » klargelegt ]
Dienstag, 22.05.2012
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dlz-Aktuell | 01.02.2012 Redaktion DLZ

klargelegt! Macht vegetarisch mehr satt?

© Keckl
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© Keckl
Hungert 1 Mrd. Menschen, lassen sich leicht Schuldgefühle einreden. Natürlich kommt es zu Verlusten, wenn aus pflanzlichen Nährstoffen tierische Produkte werden („Futterverwertung“). Der Vorwurf: „Tierhaltung verschwendet - Nährstoffe. Würden Menschen mehr Pflanzen essen, würden also mehr satt.“ Die Rechnung stimmt nur auf dem Papier. Auch Vegetarier können oder möchten sich nicht mit Tierfutter ernähren. 69 Prozent der Welt-Landwirtschaftsfläche ist Grünland. Auf 32 Prozent der deutschen Nutzfläche wächst Gras. Fleisch und Milch vom ökologisch wertvollen Grünland ernähren viele Menschen.
 
Dass die Erträge deutscher Äcker zu 43 Prozent in die Futtertröge gehen, wird missgedeutet. Als ob - Futter- und Nahrungsmittel streng getrennt voneinander angebaut würden! So landen von Zuckerrüben 17 Prozent als Zucker auf den Tisch, der Rest im Trog, vom Raps 40 Prozent auf dem Tisch oder im Tank, der Rest im Trog - frei nach dem Motto: „Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen“. So auch bei nicht mahlfähigem Getreide, das jedes Jahr anfällt. Es landet immer im „Kröpfchen“.
 
Ob man vegetarisch mehr Menschen satt bekommt, hängt auch davon ab, was auf den Teller kommt. 1 ha Hochertragsgetreide über die Hähnchen- oder Schweinemast veredelt, ernährt mehr Menschen als 1 ha Spargel oder Rosenkohl. Die Tiere bekommen keine vegetarischen Leckereien, sie produzieren aus Gras, Massenertragspflanzen und Koppelprodukten der Lebensmittelerzeugung hochwertiges Eiweiß, das sonst fehlt. Die Masse der Futtermittel sind für den Tisch ungeeignet oder unerwünscht, sie werden, ökologisch höchst sinnvoll, zu begehrten tierischen Lebensmitteln veredelt.
 
Unsere Tiere werden zu 80 Prozent aus Inlandsprodukten ernährt. Dagegen stammen inzwischen 79 Prozent des Obst- und 62 Prozent des Gemüsebedarfes sowie viele vegetarische Spezialitäten aus Importen. Kaum ein Vegetarier dürfte sich bei den heutigen Frischeansprüchen nach einer regionalen und saisonalen Gemüse- und Obstversorgung sehnen, wie zuletzt in der DDR. Der Bioverband Demeter schreibt seinen Betrieben Viehhaltung vor, weil ohne Mist das Prinzip des Nährstoffkreislaufs schwer zu verwirklichen ist und auch weniger anspruchsvolle Früchte wie Gerste, Hafer, Mais oder Futterleguminosen in der abwechslungsreichen, gesunden Fruchtfolge stehen sollen.
 
Georg Keckl/ds

Weitere Informationen und Downloads

Zum Klargelegt aus unserer Ausgabe vom Februar 2012 finden Sie unter folgenden Verweisen mehr Informationen und Statistiken.
 
  • FAO Anbaustatistik
  • Grünlandnutzung, Statistisches Bundesamt (Exceldatei, 4 MB)
  • Verwendung von Ackerfrüchten, BMELV (PDF)
  • Futteraufkommen aus Einfuhren (PDF) und Inlandserzeugung (PDF), BMELV
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Keywords agrarwelt | keckl | klargelegt | kolumne | vegetarier
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