Donnerstag, 17.05.2012
Aus der Haut fahren lassen
Gerade in Rinderställen treten immer wieder Rattenschwanzlarven auf. Die Devise heißt hier: Wer bei dieser Thematik im Vorfeld nicht aktiv wird, hat das Nachsehen.
Die Bienenschwebfliege überträgt direkt keine Krankheitskeime. Das Problem für Tier und Mensch sind die Larven.
© Voigt
Ein ekliger Anblick: Halbdurchsichtige, weißgelbe Larven, mit einem ebenso unansehnlichen Atemrohr kriechen langsam dahin. Sie winden sich und robben aus der Gülle empor, über Spalten und Melkstandböden. Solange sich die Rattenschwanzlarven in der Larvenentwicklung befinden, verursachen sie keine Schäden. Problematisch wird es erst, wenn die Larven aus der Gülle, zu den trockenen Verpuppungsorten wandern, dem Moment, an dem sie für den
Landwirt wirklich lästig werden. Zu diesem Zeitpunkt kommt es besonders bei Massenbefall zu einer massiven Keimverschleppung. Gelangen die Larven in sensible Bereiche wie Melkstände, Milchkammern, an Futter oder Trinkwasser oder in Wohnbereiche, ist die Hygiene gefährdet.
Der Schuldige
Auslöser dieses Larvenbefalls sind die Bienenschwebfliegen (Eristalis tenax), die selbst direkt keine Krankheitskeime übertragen, sie allerdings verschleppen können. Mit ihrem stark ausgeprägten Geruchssinn orten die weiblichen Bienenschwebfliegen zielgenau Lebensräume zur Eiablage, die den Larven auch als Nahrung dienen und werden von den Gerüchen wie organisch verrottenden Materialien angelockt. Am attraktivsten scheinen dann Jauchegruben, Güllekanäle und Gülletanks in Rinderställen. Hier legen sie zuhauf, einzeln oder in kleinen Gruppen, ihre Eier ab.
Trockenlegen
Ein erster wichtiger Schritt ist es, die Bienenschwebfliege aus dem Stall zu verbannen, beziehungsweise sie sich erst gar nicht ansiedeln zu lassen. Zugangstore und -türen können dazu mit Schleusensystemen ausgestattet werden. An den Stallöffnungen vermindern Fliegenfallen an den "Einflugschneisen" den Zuflug von Bienenschwebfliegen. Im Stall und in anderen Innenräumen sind UV-Insektenfanglampen ratsam. Unterstützend können Leimbänder und Köderstationen, mit Fraßgiften aufgehängt, dazu beitragen, dass weniger Eier im Stall abgelegt werden. Dazu ist es sinnvoll, potenzielle Brutplätze im Umfeld von Stallgebäuden und Hofanlagen trocken zu legen, um den Tieren keinen Anreiz zu geben, dort Eier abzulegen. Stallhygiene und Stallklima sind ein zweiter Punkt: Eine gründliche Stallreinigung vor und während der Fliegensaison ist besonders wichtig. Trockene Ställe, eine geringe Luftfeuchtigkeit sowie eine gute Luftzirkulation machen es den Fliegen schwer, sich auszubreiten und zu entwickeln. Um die Madendichte möglichst klein zu halten, sollte man die Entleerintervalle von Güllekanälen oder Jauchegruben so kurz wie möglich halten.
Maden morden
Gegen die Larven im letzten Stadium, die die Gülle verlassen und zu den trockenen Verpuppungsorten wandern, sind chemische und synthetische Insektizide aufgrund ihrer speziellen Wirkungsweise nicht einsetzbar. So helfen bei Befall von Rattenschwanzlarven nur mechanische Maßnahmen. Entweder man sammelt oder saugt sie auf oder setzt einen Hochdruckreiniger ein. Bewährt hat es sich auch, wenn man die auswandernden Larven mit kochend heißem Wasser besprüht. Somit ist die Prophylaxe mehr oder weniger der einzig effektive Weg.
Ein wichtiger Schritt, um die Larven einzudämmen, ist der Einsatz von Wachstumsregulatoren in der Gülle. Die Larven wachsen über einen hormonell gesteuerten Wachstumsprozess mit verschiedenen Häutungen. Die alte, nicht mehr passende Haut wird abgestreift, während eine neue, größere Haut heran- und die Larve hineinwächst. Mit Wachstumsregulatoren (Chitinsynthesehemmern) wird zwar die alte Haut abgestreift, aber durch fehlendes Chitin wächst keine neue Haut nach. So sterben die Larven in der Gülle ab, ohne das Puppen- und Erwachsenenstadium zu erreichen. ah
Der vollständige Beitrag ist in dlz Dezember 2010 erschienen.
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