Donnerstag, 17.05.2012
Grünland nicht hungern lassen
Viele absolute Gründlandstandorte in Mittelgebirgslagen werden bei ansteigenden Düngerpreisen aus verständlichen Gründen bei der Nährstoffversorgung gerne etwas knapp gehalten. Welche Auswirkungen das auf unterschiedlichen Böden haben kann, zeigen Beispiele aus Thüringen.
Intensive Nutzung fordert ausreichende Düngung und regelmäßige Pflege: Nachhaltig optimale Intensität ist wirtschaftlich.
Viele Grünlandflächen in Ostdeutschland sind seit Mitte der 1990er Jahre flächenmäßig ungewöhnlich stark extensiviert. Vielerorts werden Agrarumwelt- oder Kulturlandschaftsprogramme (KuLaP) in Anspruch genommen. In Thüringen beispielsweise sind nur rund zwei Drittel der extensivierten Flächen mit Stickstoff gedüngt worden, jährlich mit 64 kg N/ha. Auf 80 Prozent der Fläche wurde langjährig keine Grunddüngung ausgebracht. Gekalkt wurde auch auf kalkbedürftigen, produktiven Standorten seit Beginn der 1990er-Jahre nicht mehr. Flächen, die eine Grunddüngung erfuhren, erhielten jährlich Mengen von 20 kg P/ha und 100 kg K/ha. Deshalb prägt heute eine massive Unterversorgung mit Nährstoffen im Boden das Bild des Thüringer Extensivgrünlands. Der Flächenanteil der Gehaltsklassen A und B liegt bei 24 Prozent (P: 65 Prozent, K: 39 Prozent).
Mit dieser starken Extensivierung haben sich auch positive Effekte ergeben. So hat sich der Flächenanteil mit standortangepassten Grünlandgesellschaften von 1987 bis 2001 kontinuierlich stark erhöht. Danach ist allerdings ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Die überaus starke und langjährige Extensivierung hat auf Standorten mit geringem Nährstoffnachlieferungsvermögen zum Ausbilden so genannter Dominanzbestände geführt. Grund ist das massive Unterschreiten der jeweiligen standörtlichen Mindestpflege- und Nutzungsintensität. Die Folge: Rückgang der Artenvielfalt sowie Umschichtung der Pflanzengemeinschaften. Um die Folgen der Extensivierung aufzuzeigen, wurden drei Nutzungssysteme untersucht: Sie reichen von optimaler Intensität (vier bis fünf Schnitte jährlich) über Spätschnitt (drei bis zwei Schnitte) bis hin zu naturschutzorientierter Nutzung (ein bis zwei Schnitte jährlich).
Das erfolgte sowohl für Dauergrünland als auch für ältere Ansaatgrünlandtypen, meist Mähweiden. Die Versuche wurden vierfach wiederholt, hatten 6 bis 18 Jahre Laufzeit und umfassten verschiedene Standorte und Höhenlagen.
Folgen für Ertrag und Energiedichte
Der Jahresertrag ging mit der Verzögerung des Nutzungstermins im ersten Aufwuchs bei allen untersuchten Grünlandtypen deutlich zurück, mit Ausnahme der Glatthaferwiese. Der Ertragsrückgang bei Mahd des ersten Aufwuchses in der ersten Junidekade ist auf allen Standorten signifikant gegenüber dem optimalem Erntetermin. Auf der Glatthaferwiese hatte die späte erste Nutzung gegenüber dem optimalen Schnitttermin des Frühjahrsaufwuchses einen statistisch nachweisbaren Mehrertrag zur Folge. Der Spätschnitt bewirkte bei Energiedichte und Verdaulichkeit eine extreme Verschlechterung unabhängig vom Grünlandtyp. Die Julimahd ohne N-Düngung zeigte dagegen nur noch eine geringe weitere Verschlechterung. Die artenreichen Grünlandtypen auf ertragsschwachen Bergstandorten wiesen schon frühzeitig eine geringe Futterqualität auf. Der Spätschnitt bewirkte nur noch eine marginale weitere Verschlechterung.
Schlussfolgerungen
Grünland zu extensivieren sowie naturschutzfachlich orientierte Bewirtschaften ist mit Ertragsdepressionen von bis zu 40 Prozent verbunden und dramatischer verschlechterter Futterqualität. Artenreiche Grünlandtypen sind nutzungselastischer, weisen jedoch eine relativ geringe Qualität auf.
Extensivierung ist etwas für Könner, nicht für Unterlasser. Sie sollte sich künftig in Form gezielter Biotoppflege auf die naturschutzfachlich wertvollen Dauergrünlandflächen konzentrieren. Auf den produktiven Standorten stellt die nachhaltig optimale Intensität die zweckmäßigste Wirtschaftsweise dar. kb
Der vollständige Beitrag ist in dlz April 2011 erschienen.
dlz-Kommentar: Nicht auf die leichte Schulter nehmen
Extensivierung auf Grünlandflächen kann leicht zum Bumerang werden. Werden Flächen über Jahre unterversorgt, rutschen sie bei den Grundnährstoffen schnell in niedrige Gehaltsstufen. In der Folge passt sich die Bestandszusammensetzung an. Das ist nicht auf die leichte Schulter zu nehmen. Futterqualität und Ertrag lassen dann zu wünschen übrig. Solchen Extensivflächen wieder neuen Schwung zu geben, ist schwierig und dauert Jahre. Mit Aufdüngen ist es da längst nicht getan. Teure Nachsaat ist nötig. Regelmäßige Bodenuntersuchungen und ausreichende Zufuhr von Phosphor und Kali helfen, den Versorgungszustand des Bodens zu halten. Zudem kann Extensivierung schnell Naturschützer auf den Plan rufen: Hat sich erst ein Kauz von der Roten Liste eingenistet, wird es manchmal zu Recht schwer, das Grünland wieder in Betrieb zu nehmen.
Klaus Strotmann, Redakteur dlz agrarmagazin
Um ein Kommentar zu schreiben müssen Sie sich einloggen.