Donnerstag, 17.05.2012
Falsche Vorgaben für Biogas-Förderung
Horst Seehofer hatte nach der Landtagswahl die Partnerschaft mit Baden-Württemberg gekündigt, doch dabei sind die Positionen von Bayern und Baden-Württemberg in der Energiepolititk gar nicht so verschieden. So sieht nämlich auch Alexander Bonde, der baden-württembergische Agrarminister den Entwurf der EEG-Novelle des Bundesumweltministers Röttgens in die falsche Richtung laufen. „Viele der bei Biogas vorgesehenen Änderungen sind nicht zu Ende gedacht und führen zu einer Fehlsteuerung. Die negativen Auswirkungen, die in der Vergangenheit zu beobachten waren, werden durch die Vorschläge nicht abgestellt, sondern sogar verschärft“, beklagt Bonde.
Ähnlich hatte sich zuvor Bayerns Agrarminister Brunner geäußert.
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Dezentral statt zentral
Der Ausbau der erneuerbaren Energien müsse in der Fläche stattfinden.
Der Bundesumweltminister setze einseitig auf die Förderung von
Großanlagen. Das sei eindeutig der falsche Akzent und schade dem Ziel,
den Ausbau erneuerbarer Energien voranzubringen. "Die Konzentration der
Förderung auf Großanlagen ist daher energiepolitisch wie
strukturpolitisch völlig falsch. Gerade in kleinteiligen
landwirtschaftlichen Strukturen wie in Baden-Württemberg mit vielen
bäuerlichen Familienbetrieben liegt eine große Chance, Biogas nachhaltig
und in einer Weise zu produzieren, die die Gegebenheiten vor Ort
berücksichtigt“, erläutert der Minister.
Flächenkonkurrenz wird eher verschärft
Zudem sei eine Konzentration auf wenige Ackerkulturen wie Mais und
Getreide vorprogrammiert, in einigen Regionen sei eine Verschärfung der
Flächenkonkurrenz und eine weitere Erhöhung der Pachtpreise zu
befürchten. Hinzu komme, dass die zu Recht erhobene Forderung, den
Substrateinsatz stärker auf Nebenprodukte und Reststoffe sowie
ökologisch wertvolle Biomasse zu fokussieren, in den Vorschlägen des
Bundesministeriums komplett ausgeblendet und dieses sinnvolle Ziel klar
verfehlt werde.
Bonde forderte den Bundesumweltminister dringend auf, sein Konzept
nochmals zu überarbeiten und zukunftsfähig zu gestalten. Für bäuerliche
Kleinanlagen bis zu einer elektrischen Leistung von 75 Kilowatt müsse es
eine Sonderreglung mit einer deutlich attraktiveren Grundvergütung
geben, um Reststoffe wie beispielsweise Gülle und dezentral anfallendes
Landschaftspflegematerial besser für die Biogas-Produktion zu
erschließen.
Wie Brunner hat auch Bonde Bundesumweltminister Norbert
Röttgen einen Brief geschrieben und auf die Mängel im Entwurf hingewiesen. Insbesondere
sprach er sich für eine Verschiebung des Zeitplans aus. Das
Bundeskabinett will bereits am 6. Juni 2011 über den Gesetzentwurf
entscheiden.
dlz agrarmagazin, jo
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