Donnerstag, 17.05.2012
Welternährung: Europa ist gefordert
Welternährung: Europa ist gefordert
Die Welternährung sicherzustellen, ist die zentrale Aufgabe des weltweiten Agrarsektors. Dies ist der Tenor der Hauptvortragsveranstaltung der diesjährigen DLG-Wintertagung. Wie dies zu erreichen ist und welche Rolle die Landwirtschaft in Europa einnehmen muss, dazu gab es allerdings unterschiedliche Auffassungen. Nach Ansicht von DLG-Präsident Carl-Albrecht Bartmer und Prof. Dr. Matin Qaim von der Universität Göttingen muss die landwirtschaftliche Produktion angesichts der weltweit wachsenden Bevölkerung gesteigert werden, was vor dem Hintergrund von Klimawandel und knapper werdender Ressourcen eine große Herausforderung darstellt. Beide betonten, dass hierbei auch Europa Verantwortung übernehmen und durch eine produktive und effiziente Landwirtschaft, insbesondere auf den Gunststandorten, zur globalen Versorgungssicherung beitragen muss.
Europa produziert ineffektiv
Für den Grünen-Abgeordneten im Europäischen Parlament Martin
Häusling ergibt sich Europas Produktivität mitnichten aus der
naturräumlichen Gunstlage und landwirtschaftlichen Schlagkraft. Seiner
Meinung nach produziert Europa hochgradig ineffizient. Die
Produktionsmethoden, insbesondere in der Tierhaltung, hält er für
äußerst fraglich.
Die Präsidentin der Deutschen Welthungerhilfe Bärbel
Dieckmann sieht das Hauptproblem des weltweiten Hungers in der
ungleichen Verteilung der Einkommen. Die landwirtschaftliche
Überproduktion in Industrieländern kann ihrer Meinung nach kaum dazu
beitragen, den Hunger in armen Ländern zu beseitigen. Eine zu große
Abhängigkeit der Entwicklungsländer vom Weltmarkt führt nach ihrer
Auffassung bei volatilen Nahrungsmittelpreisen zu noch mehr Hunger.
Keine neue Stilllegung
Für den Parlamentarischen Staatssekretär bei der
Bundeslandwirtschaftsministerin Peter
Bleser ist eine
Nahrungsmittelsteigerung nur durch eine moderne und nachhaltige
Landwirtschaft zu gewährleisten Er betonte, dass neben der Forschung
insbesondere auch landwirtschaftliche Kooperationen mit anderen Staaten
von entscheidender Bedeutung sind. So zeigt ein gemeinsames Projekt des
Bundeslandwirtschaftsministeriums mit der Wirtschaft in Äthiopien, dass
die Menschen vor Ort ihre Nahrungsmittelproduktion über moderne und
Ressourcen schonende Landwirtschaft steigern können. Ferner hält er es
für wichtig, gemeinsam Lösungen zur Reduzierung der Ernteverluste und
zur Verbesserung der Lagerhaltung zu entwickeln. Auch verwies Bleser
darauf, dass eine breite Stilllegung von Flächen, wie sie die
EU-Kommission in ihren Plänen zur Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik
nach 2013 vorschlägt, der falsche Weg ist.
dlz agrarmagazin, jo
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