Donnerstag, 17.05.2012
Den Blickwinkel wechseln
Ferienjobs in der Landtechnikbranche bieten neue Einblicke Ist es nicht traumhaft, den ganzen Sommer mit dem neuesten Traktor zu fahren? Eine saisonale Tätigkeit als Vorführfahrer bei einer Landtechnikfirma erweitert zudem den eigenen Horizont. Für Junglandwirte und Agrarstudenten gibt es interessante Ferienjobs. Zwei junge Menschen berichten über ihre Erfahrungen.
Maria Möhrer (28) schreibt gerade Diplomarbeit. Danach wird sie bei Fendt einsteigen. Ihre Eltern betreiben einen Mastschweinebetrieb mit Ackerbau im Nebenerwerb.
Einen Sommer lang mit dem 600-PS-Raupenschlepper oder einem gewaltigen Rotormähdrescher unterwegs sein und deutsche Felder beackern für viele ein Traum. Die Arbeit als Vorführfahrer beim Landmaschinenhandel oder direkt beim Hersteller lässt ihn für manch einen wahr werden. Klar ist: Eine Kampagne als Vorführfahrer bleibt länger im Gedächtnis, als zwei Monate Getreide abzufahren auf dem eigenen Betrieb. Wer sich also für Landtechnik interessiert und für eine Saison zu Hause entbehrlich ist, für den kann die Vorführtätigkeit jede Menge Spaß und Erfahrungen bringen. Landtechnikhersteller und Maschinenhändler suchen jedes Jahr Vorführfahrer für ihre Fahrzeugflotten. Technisches Verständnis und Praxishintergrund werden vorausgesetzt.
Gerade für Junglandwirte kann es interessant sein, einmal die Seiten zu wechseln und die Landwirtschaft aus Sicht von Industrie und Handel zu betrachten. Dabei gibt es regional kaum Grenzen: Der eine beerntet mit dem leistungsstärksten Mähdrescher der Welt 200 ha große Felder in Mecklenburg-Vorpommern; der andere schafft es sogar bis nach Russland und China, wo er beispielsweise einen Rübenroder vorführt. Keine Fantasie, sondern mit etwas Glück und Engagement Wirklichkeit. Was man dabei an Wissen und Erfahrungen sammelt, kann das Wirtschaften auf dem eigenen Betrieb erleichtern. Denn nur selten hat man Gelegenheit, Einblicke in eine so große Anzahl von Landwirtschaftsbetrieben zu bekommen. Der fachliche Austausch mit den Betriebsleitern oder Angestellten zeigt neue Möglichkeiten für den eigenen Betrieb auf oder aber bestätigt, dass man es selbst richtig oder besser macht. Auf jeden Fall hat der Blick über den Tellerrand noch niemandem geschadet. Der Umgang mit großen, teuren Maschinen und die Abstimmung mit den Händlern und Kunden ist sicherlich für viele Junglandwirte eine Herausforderung. Neben Kommunikationsfreude und einem offenen Umgang mit Menschen ist selbstverständlich technischer Sachverstand gefragt. Schließlich interessiert sich die Kundschaft auch für das letzte mögliche und unmögliche Detail. Wer bei Herstellern von Bodenbearbeitungsgeräten oder Sämaschinen arbeitet, sollte zusätzlich ackerbaulich und bodenkundlich einigermaßen fit sein. Sprachkenntnisse sind für Tätigkeiten im Ausland unabdingbar. Eine weitere unverzichtbare Eigenschaft ist Belastbarkeit. Auch nach mehreren 16-Stunden-Tagen ist volle Konzentration gefragt.
Auch finanziell lohnend
Als Vorführfahrer tätig waren Moritz Pabst (25) und Maria Möhrer (28). Sie haben dabei viele Erfahrungen gesammelt.
Auch wenn das Gehalt nicht im Vordergrund stehen sollte: Schlecht bezahlt werden Vorführfahrer nicht. Ein monatliches Fixgehalt wird bei den meisten Herstellern nicht vereinbart, die Vergütung richtet sich nach der Einsatzzeit. In der Regel werden unabhängig von der tatsächlichen täglichen Arbeitszeit Tagessätze ab etwa 70 Euro bezahlt, Verpflegungszuschuss inklusive. Der Verdienst einer Saison hängt also oft auch vom
Wetter ab. Weniger Erntetage bedeuten am Monatsende weniger in der Lohntüte. Trotzdem auch wenn Überstunden oft nicht bezahlt werden lohnt sich der Einsatz auch in einer verregneten Saison. Kilometergeld für Fahrten mit dem eigenen Pkw wird gezahlt, Übernachtungskosten übernimmt der Hersteller. Stellen für Vorführfahrer werden nicht nur nach dem Motto "wer kennt wen" vergeben. Häufig suchen Hersteller und Händler mit Aushängen am Schwarzen Brett der Hochschule. Die Tätigkeiten sind aber begehrt also die Augen offen halten. Ansonsten kann auch eine Initiativbewerbung beim Hersteller Erfolg bringen.
Matthias Mumme dlz-Technikredaktion
Einmalige Erfahrungen gesammelt
Maria Möhrer aus Essenbach in Niederbayern:
Ich habe von August 2007 bis September 2010 für Challenger Raupentraktoren (300 bis 600 PS) vorgeführt. Einsatzzeit war vor allem in den Semesterferien. Den Job habe ich hauptsächlich aus Neugier begonnen. Ich wollte etwas von der Landwirtschaft außerhalb Bayerns sehen. Ich habe viele Vorführungen in Ostdeutschland gemacht und dort viele interessante und vor allem große Betriebe kennengelernt. Ich war auch in Ungarn und fand es wahnsinnig spannend, dort so ganz andere Verhältnisse zu sehen, wie etwa die großen Flächen und die noch verbliebenen Strukturen der kommunistischen Zeit. Die Arbeit als Vorführfahrerin war eine einmalige Erfahrung, denn so kam ich mit Landtechnik in Berührung, mit der ich bisher keine Erfahrung hatte. Dadurch wurde mein Interesse an der Branche geweckt und das hat sich auch für meinen weiteren Berufsweg mehr als bezahlt gemacht.
Moritz Pabst aus Rothenburg o. d. Tauber in Mittelfranken:
Ich habe im Frühjahr 2007 bei John Deere als Demofahrer für die Selbstfahrspritze 5430i gearbeitet und im Herbst Mähdrescher bei der LVA Altenweddingen vorgeführt. Ich wollte einmal weit weg kommen, Neues erleben. Für JD selber haben wir bei den großen Händlern für geladene Kunden eigene Vorstellungen gemacht. Wir waren aber auch auf Pflanzenbau- und Feldtagen vertreten. Am Anfang war ich total nervös, aber mein Chef hat mich sehr gut vorbereitet. Meine Aufgabe war der praktische Einsatz der Maschine. Ich hab die Fahrer der Betriebe oder die Betriebsleiter mitgenommen, sie eingewiesen und dann ihre Runden mit der Spritze drehen lassen. Es ist eine absolut lehrreiche Erfahrung. Man sieht neue Sachen, lernt Land und Leute kennen und, für mich persönlich das Wichtigste, knüpft Kontakte. Mit einigen der besuchten Betriebe halte ich heute noch Kontakt. Während solcher Jobs lernt man alleine zurechtzukommen und man lernt Verantwortung zu übernehmen. Natürlich kommt auch der Spaß nicht zu kurz!
Den Blickwinkel wechseln (04.07.2011)
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