Donnerstag, 17.05.2012
Chancen mit Halal-Fleisch
Muslimische Mitbürger dürfen nur besonders hergestelltes Schaffleisch essen, so genanntes Halal-Fleisch. Die großen Lebensmittelketten können diesen Markt nicht bedienen. Das kann eine Chance für Direktvermarkter sein.
Der Markt für islamkonformes Schaf- und Lammfleisch wächst. Das bietet Chancen für deutsche Schafhalter.
Seit Längerem wird das Thema "Halal-Food" in den Medien, auf Tagungen und Symposien zunehmend diskutiert. Durch eine islamkonforme Erzeugung und Vermarktung von Lebensmitteln versuchen Unternehmen der Ernährungswirtschaft und des Handels, zusätzliche Marktchancen in Deutschland zu erschließen. Der Lebensmittelmarkt mit islamkonformen Lebensmitteln wächst schnell. Muslime kaufen frisches Lamm- und Schaffleisch.
Nur ein Teil ist als Premiummarke absetzbar
Ein Teil des Lammfleisches mit definierter Herkunft und fütterungsbedingt besonderen Geschmackseigenschaften, wie Salzwiesenlämmer, wird in einem hochpreisigen Premiumsegment vermarktet. In diesem Segment gibt es auch Lammfleisch mit einem regionalen Bezug wie Württemberger Lamm, "Aus der Rhön für die Rhön", Heidschnucken-Spezialitäten oder Lammspezialitäten aus der Wesermarsch und Oldenburg. Mit Lammfleisch aus dem Premiumsegment werden vor allem die gehobene Gastronomie und Feinkostgeschäfte beliefert.
Das übrige im Inland erzeugte Schaf- und Lammfleisch wird besonders von den in Deutschland lebenden Bürgern islamischen Glaubens nachgefragt. Diese Verbraucherschicht kauft zumeist ganze Schlachtkörper oder lebende Tiere.
Kleinbetriebe schlachten die Hälfte
2009 sind in Deutschland knapp über 1
Mio. Schafe geschlachtet worden. Davon waren 825.009 Lämmer, die zu 94 Prozent gewerblich und zu 6 Prozent in Hausschlachtungen geschlachtet werden. Das durchschnittliche Schlachtgewicht der Lämmer betrug 18
kg. Das Statistische Bundesamt veröffentlicht die erzeugte Fleischmenge mit 21.800
t. In der Verordnung über die Preismeldung bei Schlachtkörpern und deren Kennzeichnung ist festgelegt, dass von der Meldepflicht Betriebe ausgenommen sind, die wöchentlich durchschnittlich nicht mehr als 75 Schafe schlachten. Dies hat zur Folge, dass Schafschlachtungen von kleinen Metzgereien, Direktvermarktern etc. nicht gemeldet werden müssen. Die Schlachthofstruktur mit sehr vielen, sehr kleinen Schlachtbetrieben ist nicht dazu geeignet, die Verfügbarkeitsansprüche des Lebensmitteleinzelhandels zu erfüllen. Die räumliche Nähe der kleinen Schlachtbetriebe zu den Verbrauchern und regionalen Märkten bietet aber die Möglichkeit, die Schlachtungen transparent, und den Prozess der Fleischerzeugung für die Konsumenten besser nachvollziehbar zu machen.
Nachfrage nach Halal wird steigen
Im deutschen Lebensmitteleinzelhandel ist Halal-Lammfleisch bis auf sehr wenige Ausnahmen nicht gelistet. Der Handel ist skeptisch wegen der Tierschutzbewegungen, die die Halal-Schlachtung ablehnen. Er will aus Tierschutzgründen wegen der rituellen Schlachtmethode nicht "angreifbar" werden. Der Lebensmittelhandel ist sich nicht sicher, ob Muslime in einem Markt Halal-Lammfleisch kaufen. Um das Einhalten der Anforderungen einer rituellen Schlachtung sicherzustellen und zu dokumentieren, gibt es mittlerweile zahlreiche Zertifizierungen auf Basis sehr unterschiedlicher Halal-Standards. Zertifizierungsverfahren für die Halal-Schlachtung diskutiert auch der deutsche Handel sehr intensiv. Die muslime Konsumenten kaufen Halal-Schaffleisch vornehmlich in türkischen Märkten und auf kleinen Schlachthöfen sowie landwirtschaftlichen Betrieben. Beim Kauf des Schaffleisches in der Region können sich die Muslime von der rituellen Schlachtung persönlich überzeugen. Die großen Schlachtbetriebe in Deutschland, die Schafe rituell schlachten, beliefern vornehmlich Großhändler. Es ist festzustellen, dass große Schlachtbetriebe in Deutschland auch eine Direktbelieferung der türkischen Märkte und der Gastronomie mit Halal-Lammfleisch aufbauen.
Der vollständige Beitrag ist in dlz Dezember 2010 erschienen.
dlz agrarmagazin, jo
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