Donnerstag, 17.05.2012
Bayer setzt auf Biotechnologie
Die Bayer CropScience AG vollzieht einen Kurswechsel: Der chemische
Pflanzenschutz bildet nicht länger den Schwerpunkt der Forschungs- und Entwicklungsarbeit. Bis 2015 will der Konzern seinen Forschungsetat um mindestens 18 Prozent auf mehr als 850 Millionen Euro erhöhen. Doch während das Budget für den chemischen
Pflanzenschutz von rund 520 Millionen Euro in 2010 auf etwa 425 Millionen Euro zurückgeht, wird der Forschungsaufwand für Saatgut und Pflanzeneigenschaften mehr als verdoppelt.
Die seit knapp einem Jahr amtierende Vorstandschefin der Bayer CropScience AG, Sandra Peterson, will das Innovationstempo steigern. Ältere Produkte werden vom Markt genommen. Die Einführung ertragsstarker Neuheiten wird forciert. Mit dem Getreidefungizid Xpro gelang Bayer CropScience offenbar bereits ein Volltreffer. Seit der Markteinführung vor einem halben Jahr übertraf der Umsatz in Deutschland und Großbritannien mit 100 Millionen Euro die Erwartungen, und dies trotz eines relativ trockenen Frühjahrs.
Neue Wirkstoffe geplant
Bis 2015 will der Konzern weltweit vier weitere neue Wirkstoffe in
den Markt einführen. Im kommenden Jahr soll mit Fluopyram ein Obst- und
Gemüsefungizid den Anfang machen. Noch im selben Jahr steht mit
Penflufen der Launch einer fungiziden Beize an. In 2014 oder 2015 soll
mit Flupyradifurone ein breitwirksamen Insektizid gegen saugende
Schädlinge an den Start gehen. Triafamone ist ein Reisherbizid und wird
voraussichtlich 2015 erstmals vermarktet.
Neue Produkte sollen schwerpunktmäßig für die flächenstarken Kulturen
Soja, Reis und Weizen entwickelt werden. Für Weizen hat Bayer
CropScience weltweit Forschungsallianzen geschmiedet. Erste neue
Weizensorten sollen 2015 auf den Markt gebracht werden. Aber auch bei
Obst und Gemüse sieht Peterson gute Wachstumschancen.
Umsatz verdoppeln
Der Umsatz in diesem Geschäftsbereich soll innerhalb von zehn Jahren auf
3 Milliarden Euro verdoppelt werden.
Peterson gab bekannt, dass Bayer alle Insektizide der WHO-Klasse I bis
Ende 2012 aus dem Portfolio nimmt. Für Pflanzenschutzmittel mit diesen
als besonders gefährlich geltenden Wirkstoffen hält das Unternehmen in
Deutschland allerdings seit längerem ohnehin keine Zulassung mehr.
Im ersten Halbjahr 2011 steigerte die Bayer CropScience AG den Umsatz
währungs- und portfoliobereinigt um 11 Prozent auf das neue Rekordniveau
von 4,2 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und
Abschreibungen wurde sogar um 34 Prozent auf 1,22 Milliarden Euro
verbessert. Das entspricht einer durchschnittlichen Umsatzrendite von 29
Prozent. Gleichwohl will das Unternehmen weltweit netto 600
Arbeitsplätze abbauen, davon 300 in Deutschland.
dlz agrarmagazin, leh
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