Neue Wirkstoffe sind in Rüben nicht zu erwarten, wohl aber neue Kombinationen. In Wasserschutzgebieten sind die Präparate Pyramin und Rebell zu ersetzen durch das Mittel Zepplin.
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Unkrautbekämpfung in Rüben ist immer eine Gratwanderung zwischen Wirkung und Verträglichkeit. Im Zweifelsfall steht die Wirkung an erster Stelle. Sind gleichwertige Alternativen verfügbar, ist die verträglichere Variante zu wählen. Anwendungen im Vorauflauf spielen nur noch eine geringe Rolle. Der größte Vorteil bei der Bandspritzung zur Saat ist die Kostenersparnis. Mischungen aus Goltix und Rebell decken ein breites Unkrautspektrum ab. Sie dehnen den Zeitraum für den folgenden Nachauflauf bis zum ersten Laubblattpaar der Unkräuter aus. Gegen Vogelknöterich und Hundspetersilie hilft die Vorlage. Bei spät keimenden, schwerer zu bekämpfenden Unkräutern ist eine Spritzung im Vorauflauf ungeeignet. Standard sind zwei bis drei Nachauflaufeinsätze im Keimblattstadium der Unkräuter (NAK). Sobald das erste Unkraut in diesem Stadium ist, muss die erste NAK gesetzt werden, oft in der letzten Aprilwoche. Bereits eine Woche später steht die zweite NAK an, weil die ersten Unkräuter über eine längere Zeit auflaufen. Die bei der ersten NAK getroffenen bleiben in der Entwicklung stehen und sind zum zweite NAK-Termin etwas dunkelgrüner als die in der Zwischenzeit neu aufgelaufenen Unkräuter. Dennoch ist bereits die zweite Spritzung fällig. Erst nach etwa zwei Wochen gehen die Unkräuter ein.
Für die dritte NAK ist etwas mehr Zeit verfügbar. Nach etwa zwei weiteren Wochen ist abzuwägen, ob möglichst alle Unkräuter, auch Spätkeimer, aufgelaufen sind, ob die übrig gebliebenen nicht zu groß werden und ob die Rüben nicht zu viel abdecken. Meist ist ein zu später Einsatz der Grund für die mangelhafte Wirkung: Im Zweifel sollte man lieber einen Tag zu früh als einen zu spät handeln.
Da es keine neuen Wirkstoffe gibt, sind bewährte Mittel und Kombinationen gefragt. Mischpartner sind immer mindestens ein blatt- und ein bodenaktives Mittel. Betanal Expert ist das blattaktive Standardherbizid im Nachauflauf. Ölzusatz ist nicht nötig. Zur Verstärkung, auch bei Trockenheit, ist immer Goltix zuzumischen. Ist noch ein dritter Mischpartner nötig, wie Rebell, Spectrum, Debut oder Lontrel, sind mit 1 l/ha Betanal Expert + 1 l/ha Goltix Gold die Grundlage. Sind schon Unkräuter im Laubblattstadium vorhanden, ist die Betanal-Expert-Menge auf 1,2 l/ha anzuheben. Das gilt auch allgemein bei Windenknöterich und Klettenlabkraut. Sind die Unkräuter beim Einsatz noch klein und wird Spätverunkrautung erwartet, kann der Aufwand von Goltix im zweiten und dritten NAK erhöht werden. Mindestens gleichwertig, oft sogar wirkungsvoller als 1 l/ha Betanal Expert mit 1 l/ha Goltix bei leichter Verunkrautung ist der Goltix-Super-Pack: 2 l Goltix Super +0,66 l Kontakt + 1 l Oleo FC pro Hektar. Gegen starke und späte Verunkrautung und Windenknöterich hat sich ?GBR? bewährt. Bei kühl-trockener Witterung im Frühjahr ist ein Aufwand von in der Summe der Behandlungen 3 l Betanal-Expert + 3 l Goltix + 3 l Rebell pro Hektar sicher.
Gegen Hundspetersilie, Bingelkraut, Klettenlabkraut, Amarant, Raps oder Kamille werden bei zwei Einsätzen mindestens 25 bis 30 g/ha Debut plus Formulierungshilfsstoff (FHS) zugesetzt. Die Verträglichkeit von Debut lässt sich verbessern, indem Betanal Expert in der Mischung durch Powertwin plus oder Betanal Quattro ersetzt wird. Jeweils 0,6 l/ha Lontrel, im zweiten und dritten NAK beigemischt, wirken gegen Hundspetersilie, Kamille und Distel. Gegen starken Distelbesatz ist es aber besser, separat mit 1,2 l/ha Lontrel zu fahren, verstärkt mit 1 l/ha Öl. Spectrum als Bodenherbizid ist gut wirksam gegen Hirse, Amarant, Franzosenkraut, Nachtschatten und Hundspetersilie. Zur zweiten NAK mit 0,3 l/ha und zur dritten NAK mit 0,6 l/ha beigesetzt, muss es vor deren Auflauf kommen. Beim Einsatz ist auf Verträglichkeit und Zulassung zu achten.
Gräser lassen sich mit dem Zusatz der halben Menge eines Gräserherbizids zur zweiten und dritten NAK bis zum 3-Blatt-Stadium gut bekämpfen. Sinnvoller ist aber eine alleinige Spritzung der vollen Gräserherbizidmenge im 5-tägigen Abstand zur Unkrautbekämpfung. Gegen Gräser ist mehr Zeit verfügbar, da sie auch noch nach der Bestockung einmalig mit vollem Aufwand sicher bekämpft werden können. Mischungen aus vier Herbiziden gelten als "Feuerwehrmaßnahme" und sind wegen der schlechten Verträglichkeit zu vermeiden.
Gegen Unkräuter in Rüben ist früher Einsatz mit fein zerstäubenden, abdriftmindernden Düsen mit etwa 200 l/ha Wasser erforderlich. Zurzeit werden wegen möglicher Umweltgefahren sensible Wirkstoffe reduziert. Dafür werden fast schon vergessene Wirkstoffe, etwa Lenacil, wieder aufgenommen. Sie verstärken mit geänderter Formulierung und Aufwandmenge die Wirkung, ohne dass sie Rüben schädigen. kb/ks
Der vollständige Beitrag ist in dlz Januar 2011 erschienen.