Donnerstag, 17.05.2012
Experten fordern mehr Transparenz auf den Agrarmärkten
Experten haben bei der Öffentlichen Anhörung im Bundestag mehr Transparenz auf den Warenterminmärkten gefordert. Die Anhörung fand wegen starker Preisschwankungen bei Agrarrohstoffen und den daraus resultierenden Problemen für die Ernährung der armen Weltbevölkerung statt.
Helmut Born vom Deutschen Bauernverband plädierte für Preissicherungsinstrumente, um radikale Preisausschläge vorzubeugen. ”Es muss nachvollziehbarer werden, welche Geschäftsabschlüsse getätigt werden“, forderte Born. Eine Voraussetzung dafür sei, dass der sogenannte OTC-Markt – Geschäfte, die außerhalb der
Warenterminbörse stattfinden – ebenfalls öffentlich wird. Seinem Vorredner stimmte Volker Petersen vom Deutschen Raiffeisenverband zu: ”Mehr Informationen bedeuten mehr Übersicht, vernünftige Planung und helfen gegen Hektik an den Märkten.“ Auch Petersen verteidigte, dass die Spekulation in Form von Terminkontrakten den Landwirten Kalkulationssicherheit gebe. Insofern dürfe sie nicht verboten werden.
Indexfonds dürfen keine Lebensmittel handeln
Rafael Schneider von der Deutschen Welthungerhilfe sprach sich
dagegen schärfer gegen Spekulation aus. ”Die Nachfrage nach
Agrarrohstoffen ist ein Megatrend, weil keine Marktsättigung zu erwarten
ist“, sagte er. Aus diesem Grund seien Kapitalanleger zum Beispiel auf
den Getreidemärkten aktiv. Um das Recht auf den Zugang zu
Nahrungsmitteln zu schützen, forderte Schneider durch eine
Börsenumsatzsteuer die Spekulation auf ausgewählte Produkte unattraktiv
zu machen.
Heiner Flassbeck, Director Division on Globalization and
Development Strategies der Handels- und Entwicklungskonferenz der
Vereinten Nationen (UNCTAD), sah die Ursache hoher Preise bedingt durch
”massive Preisbeeinflussung in die falsche Richtung gelenkt durch nicht
marktadäquate Informationen“.
Markus Henn vom Verein weed teilte die Kritik an der
Finanzspekulation. Er widersprach in seiner Rede der Behauptung, dass
die Preissteigerungen zum Beispiel durch den hohen Bedarf in China zu
begründen wären. ”Das Land wächst seit dreißig Jahren“, sagte er. Doch
noch bis Ende der 90er Jahre waren die Preise für Rohstoffe im Fallen.
Das sei ein Widerspruch, der sich mit den jetzigen Interpretationen über
die Gründe beißen würde. Henn empfahl den anwesenden Fachpolitikern,
sich in den USA Maßnahmen der Regulation abzuschauen. Er forderte
sogenannte Indexfonds für den Agrarrohstoffhandel zu verbieten. Diese
Fonds würden nicht anhand objektiver Daten handeln und die reelle
Preisbildung stören.
Einen negativen Einfluss auf die Agrarmärkte schrieb auch Dirk
Müller von der Ethos GmbH den Indexfonds zu. ”Mit ihrem Aufkommen im
Jahr 2000 stiegen auch die Preise für Rohstoffprodukte", sagte er.
Transparenz sei nötig, um verlässliche Geschäfte auf den Terminmärkten
zu ermöglichen. Gleichzeitig unterstrich er auch den positiven Nutzen
der Terminmärkte. ”Aber die Dosis macht das Gift“, sagte er. Niemanden
dürfe gestattet sein, dem Markt Lebensmitteln zu entziehen, um sie
später wieder teuer verkaufen zu können.
Staatliche Eingriffe dosieren
Peter Reitz von der Eurex Frankfurt AG machte deutlich, dass derzeit nur ein
Prozent der weltweiten Agrarkontrakte auf dem EU-Markt gehandelt würden.
Er wies darauf hin, dass aus diesem Grund Abstimmungen über Europa
hinaus notwendig seien und erklärte, dass ”Reportings“ zur Regulierung
der Märkte und zur Schaffung von Transparenz sinnvoll seien.
Michael Schmitz vom Institut für Agrarpolitik und Marktforschung warnte
dagegen klar vor staatlichen Eingriffen: ”Die Kontrolle der Spekulation
ist kontraproduktiv.“ Niedrige Preise am Weltmarkt würden Bauern nicht
helfen und seien lange Zeit ein angeführtes Argument gewesen, warum die
Armut in Entwicklungsländern so ausgeprägt gewesen sei. Das sei
widersprüchlich”, sagte
er. Schmitz forderte Spielregeln für die Märkte. "Aber verstärkte
Regelungen auf den Terminmärkten haben nur zur Folge, dass die Händler
auf die OTC-Märkte ausweichen", warnte Schmitz. In der Folge würden
durch Eingriffe nur größere Probleme geschaffen.
dlz agrarmagazin, jo
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